Polnischer Bischof Wielgus tritt wegen Geheimdienstvorwurf zurück

Stanislaw Wielgus wurde von Papst Benedikt XVI (Ratzinger) zum Erzbischof von Warschau ernannt

Wenige Tage nach seiner Ernennung trat Bischof Wielgus öffentlich spektakulär bei seiner geplanten Amtseinführung zurück, weil ihm vorgeworfen wurde, er hätte für den früheren polnischen Geheimdienst eine Verpflichtungserklärung unterschrieben. Immerhin für den eigenen staatlichen Geheimdienst.

Niemand macht den russischen Präsidenten Putin oder hohe US-Politiker Vorwürfe der gleichen Art, obwohl sie sogar jahrelang leitend im Geheimdienst tätig waren.

Also ganz normal für den eigenen Staat?

Ja schon, wenn es sich um einen bürgerlich demokratisch legitimierten Politiker handelt. Der darf auch öfter etwas außerhalb der Legalität arbeiten, was ihm nach anfänglicher Entrüstung nicht sonderlich übel genommen wird. Wäre es also in Ordnung gewesen, wenn Wielgus für einen US-Geheimdienst gearbeitet hätte? Nie tauchen in solcher Richtung Vorwürfe auf. Dafür aber alles, was auch nur entfernt für die Sicherung des Sozialismus hätte sein können. Ein Rachefeldzug von Altkommunisten wird unterstellt. Sollten die hinterher noch ein Eigentor schießen?

Wielgus will sich vor einem Gericht rehabilitieren. Zu welchem Zweck vor einem bürgerlichen? Etwa dem, daß es der Kirche hauptsächlich um sich selbst unter allen Systemen geht und ihr der Rest egal ist? Das erinnert an die BRD: Guter Geheimdienst West (dafür Belohnung) und böser Geheimdienst Ost (dafür Gefängnis). Eher schlimmer geht der Kampf der Gesellschaftssysteme innen (Arbeitslosigkeit und Streik) und außen (Jugoslawien, Irak, Nordkorea und Afghanistan) weiter.

Horst Tischler, München
14.03.07


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