Nachruf für Dieter Popp

Am 27. November 2020 verstarb der Vorsitzende der Gruppe "Kundschafter des Friedens fordern Recht", Dieter Popp, im Alter von 82 Jahren nach kurzer Krankheit im Krankenhaus in Bonn. Er hatte immer den Wunsch, nicht in ein Pflegeheim zu kommen. Sein Wunsch ist nun auf diese Weise in Erfüllung gegangen.

Dieter Popp war einer der erfolgreichsten Kundschafter der Verwaltung Aufklärung der Nationalen Volksarmee der DDR. Durch die Zusammenarbeit mit seiner Quelle im Planungsstab des Bonner Verteidigungsministeriums, Egon Streffer, erfuhr die DDR - und damit die Sowjetunion - vieles über die militärpolitischen Planungen der Bundeswehr und der Nato. Dadurch konnten Rüstungsvorhaben der Nato frühzeitig erkannt und gekontert werden. Aber es konnten auch die Verhandlungen zu KSZE, MBFR und SALT II zum Erfolg geführt werden, indem die Verhandlungsführer des Warschauer Vertrages genau wussten, wo von Seiten der Nato falsch gespielt wurde, und wo ehrliche Absichten vorlagen. Auf diesen Beitrag zur Friedenssicherung war Dieter Popp immer besonders stolz.

Seine Quelle Egon Streffer verstarb im August 1989 an einem Herzinfarkt. Nun ist ihm Dieter gefolgt.

Der frühe Tod ersparte Egon Streffer die Enttäuschung über das Versagen der Sowjetunion und den Untergang der verratenen DDR. Dieter Popp wurde im April 1990 durch einen Verräter enttarnt und vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu sechs Jahren Haft verurteilt. Die eklatante Ungleichbehandlung der Spionage Ost und West empfand er - nach einer angeblich gleichberechtigten Wiedervereinigung der zwei souveränen deutschen Staaten - als Unrecht. Nach seiner Haftentlassung gründete er deshalb mit mehreren anderen Kundschaftern der DDR die Initiativgruppe "Kundschafter des Friedens fordern Recht".

Rückblickend muss man feststellen, dass es natürlich illusorisch war, eine faire Gleichbehandlung zu erwarten. Zwar hatte auch der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker angemahnt, es müsse berücksichtigt werden, dass die Spionage im Kalten Krieg "Hinüber und herüber" erfolgt sei. Diese Worte konnten die DDR-Hasser nicht davon abhalten, juristisch verbrämte Rache an den Kundschaftern der DDR zu nehmen, während die Spione des Westens geehrt und belohnt wurden.

Dieter Popp hat die Haftzeit in Würde ertragen und sich für seine Ideale engagiert; dieses konnte nach er nach seiner Haftentlassung nun offen tun. Er engagierte sich in der KPD, der PDS (später "Die Linke") und der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN). Zu seiner Tätigkeit als Kundschafter äußerte er sich freimütig in vielen Interviews, Vorträgen und Filmbeiträgen.

Ein erfülltes Leben hat sein Ende gefunden. Wir werden Dieter Popp vermissen und gedenken seiner in Respekt und Dankbarkeit.

Die Redaktion
28.11.2020


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