Zweierlei Maß - Normalität bei unseren Medien

Regelmäßig werden wir mit moralisierenden, aber unehrlichen Stellungnahmen zur Weltlage durch unsere Politiker und die Main-Stream-Medien überschüttet. Zwei aktuelle Beispiele zeigen das wieder einmal deutlich: Die Entwicklung in Syrien nach dem Einmarsch der türkischen Armee. Und in einer ganz anderen Region: Die Situation der Uiguren in Xinjiang (Westchina).

Der Einmarsch der Türkei in Nordsyrien widerspricht ganz eindeutig dem Völkerrecht. Die Empörung darüber ist berechtigt. Doch von wem kommt jetzt plötzlich die Kritik? Sie kommt von den Nato-Staaten und ihren Freunden, die seit 2011 aus geopolitischen Motiven einen Umsturzversuch gegen die Regierung Syriens betreiben. Ohne die vorherige Zerrüttung des syrischen Staatsgebiets wäre die aktuelle türkische Invasion kaum vorstellbar.

Und wer hat denn sonst noch Truppen in Syrien ohne die notwendige Erlaubnis der syrischen Regierung? Die USA nehmen sich wie selbstverständlich das Recht, in syrischem Territorium zu agieren. Daneben halten sich britische und französische Spezialeinheiten dort auf. Die Bundeswehr hat kurdische Kämpfer dort ausgebildet und bewaffnet, und deutsche Aufklärungs-Tornados fliegen unerlaubt über syrisches Territorium, um den "Freunden" die Zielkoordinaten für ihre Bombenangriffe zu liefern. Fazit: Der "Westen" betätigt sich seit Jahren als Brandstifter in Syrien, inszeniert sich jetzt aber noch in heuchlerischer Weise als Moralapostel und Verteidiger des Völkerrechts.

Das andere Beispiel: Die Situation der Uiguren. "Mehr als eine Million Uiguren hält China in Lagern interniert zwecks Umerziehung und Gehirnwäsche", melden unsere Medien. Und: "Der uigurische Regierungskritiker Ilham Tohti wurde vom Europaparlament mit dem Sacharow-Menschenrechtspreis ausgezeichnet". Nicht erwähnt wird dabei, dass in Xinjiang separatistische Kräfte seit Jahren Terroranschläge verüben. In westlichen Medien wurde zumindest der Terroranschlag im Urumqi im Jahre 2009 gemeldet, bei dem nach offiziellen Angaben 197 Menschen starben.

Der mit dem Menschenrechtspreis ausgezeichnete Ilham Tohti gilt als politischer Anführer der separatistischen Bewegung und wurde deshalb zu lebenslanger Haft verurteilt. Über diese hohe Strafe empören sich westliche Medien und Politiker, während die hohen Haftstrafen gegen katalanische Separatisten nicht kritisiert werden. Man sollte erwähnen, dass es in Katalonien - bis zur Verhängung der drakonischen Haftstrafen wegen "Aufruhrs" - keine Gewalt seitens der Separatisten gab und bisher auch noch keine Todesopfer. Aber im Unterschied zu den chinesischen Maßnahmen wird das spanische Vorgehen nicht im Geringsten kritisiert.

China hat allen Grund, die vom Ausland unterstützten muslimischen Separatisten unter Kontrolle zu bringen und jeglichen Terror zu unterdrücken. Man sollte die dortige Entwicklung mit der in Afghanistan vergleichen, wo die USA und ihre willigen Gehilfen seit Jahren Krieg mit vielen Menschenopfern, aber ohne jeglichen Erfolg führen.

Für immer mehr Menschen wird offenbar, dass unsere Medien und die Politiker der etablierten Altparteien zweierlei Maß anlegen und das Volk mit Halbwahrheiten zu manipulieren versuchen. Die Warnung vor "Fake News" fällt auf sie selbst zurück: Die Bundespressekonferenz kann als Hauptquelle von Halbwahrheiten und oft auch ganzen Lügen bezeichnet werden. Die Chefredakteure der öffentlich-rechtlichen wie auch die der privaten Medien sind eher ihren transatlantischen Stichwortgebern als der objektiven Information verpflichtet. Unter diesen Umständen können moralisierende Bewertungen nach zweierlei Maß niemanden überzeugen.

Dieter Popp und Wolfgang Bergmann
07.11.2019


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