Eine begehrte Immobilie: Grönland

Noch ist Grönland eine hauptsächlich von Gletschern bedeckte Insel, die zu Dänemark gehört und auf der lediglich 56.000 Menschen leben. Doch ein Blick auf den Globus lässt erkennen, dass von dort aus die Sowjetunion gut mit strategischen Langstreckenbombern bedroht werden konnte. Deshalb errichteten die USA ab 1951 dort die "Thule Air Base". Diese geostrategische Lage ist natürlich auch heute gegenüber Russland von Vorteil. Neben den legendären B-52-Langstreckenbombern sind inzwischen auch modernste Radaranlagen und Funkabhörstationen dort stationiert.

Anstatt nur eine gemietete Airbase dort zu haben, wäre das Eigentum an der ganzen Insel natürlich noch besser für die USA. Donald Trumps direktes Kaufangebot an Dänemark war natürlich ziemlich plump und zeigt der übrigen Welt, welche Denkweise in den USA vorherrscht: Nämlich dass alles käuflich und nur eine Frage des Preises ist. In Dänemark rief der Vorschlag teils belustigte, teils entsetzte Reaktionen hervor. Ministerpräsidentin Frederiksen bezeichnete das Kaufangebot als "absurd".

Es ist jedoch nicht nur eine Spinnerei des ehemaligen Immobilienmaklers Donald Trump, der sich eine absurde Idee in den Kopf gesetzt hat. Schon 1946 hatte der damalige US-Präsident Truman versucht, Grönland für 100 Millionen Dollar von den Dänen zu erstehen, was damals allerdings abgelehnt wurde. Zu erinnern ist andererseits an den erfolgreichen Kauf Alaskas, das 1867 für 7,2 Millionen Dollar (nach heutigen Maßstäben ca. 120 Millionen Dollar) vom russischen Zaren erworben wurde.

In Dänemark müsste man jedoch ziemlich verrückt sein, Grönland zu verkaufen. Vor Grönland gibt es große Vorkommen von Erdgas und Erdöl. Und unter dem Eispanzer, der voraussichtlich immer weiter abschmelzen wird, werden viele wertvolle Mineralien vermutet. Ferner werden sich infolge des Abschmelzen des Eises auch interessante neue Handelsrouten für die Schifffahrt in dem Gebiet eröffnen.

Es ist zwar in der Form etwas merkwürdig, wie der jetzige US-Präsident mit seinem Kaufangebot vorgeprescht ist. Der Kampf um eine weltweite US-Dominanz - auch in der Arktis - hängt aber nicht an der Person Donald Trump. Der Rest der Welt wird sich noch auf weitere Eskapaden der USA einstellen müssen, solange man dort von der Führerschaft und Einzigartigkeit von "Gods own Country" überzeugt ist. Vielleicht ist die Reaktion der dänischen Ministerpräsidentin Frederiksen, etwas "Rückgrat" gegenüber den USA zu zeigen, ein Hoffnungsschimmer für eine eigenständigere Politik der EU. Aber man wird sehen, wie weit der Mut reicht...

Dieter Popp und Wolfgang Bergmann
23.08.2019


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