Tag der Befreiung

Wieder einmal - inzwischen zum 74. Mal - jährt sich der 8. Mai 1945. Für die Mehrzahl der damals lebenden Deutschen war das der Tag der Niederlage, der "Zusammenbruch", der "Umsturz". Für eine Minderheit der Deutschen, die im Konzentrationslager, im Zuchthaus oder im Untergrund überlebt hatten, war der 8. Mai 1945 ihr persönlicher Tag der Befreiung. Den meisten Deutschen mussten erst die Augen geöffnet werden, welche Verbrechen von Deutschland im 2. Weltkrieg begangen worden waren und welches Unheil man über die Welt gebracht hatte.

In der DDR war der 8. Mai offizieller Gedenktag. Im Gegensatz zur DDR war der 8. Mai in der alten Bundesrepublik schon bald kein Bezugspunkt in der Erinnerungspolitik mehr. Im Rahmen der Remilitarisierung wurde die jüngere Geschichte verdrängt und umgelogen. Als 1985 der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker (CDU) zum 40. Jahrestag feststellte, dass der 8. Mai 1945 auch für Deutschland ein "Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft" gewesen sei, löste er damit in der eigenen Partei Verärgerung aus.

Regelrechte Empörung verursachte die Ausstellung "Vernichtungskrieg: Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944", die ab 1995 im wiedervereinigten Deutschland zu sehen war. Schließlich hatte doch Bundeskanzler Konrad Adenauer am 23. Januar 1951 vor dem Deutschen Bundestag eine Ehrenerklärung für die Soldaten der Wehrmacht abgegeben. In diese Ehrenerklärung bezog er später auch ausdrücklich die Waffen-SS ein. Um so größer der Sturm der Entrüstung, als ab 1995 dieses Lügenmärchen zerstört wurde.

Heute wird die Weißwaschung der Wehrmacht nur noch von Politikern der AfD wiederholt; die übrigen Altparteien sehen keinen Sinn mehr in der Leugnung deutscher Kriegsverbrechen. Aber das alte Feindbild Russland wird mit einer neuen Pseudo-Begründung wiederbelebt. Es ist nicht mehr die Sowjetunion, die sich dank Boris Jelzin und seiner amerikanischen "Berater" aufgelöst hat, und es ist nicht mehr die Rote Armee, die sich 1000 km nach Osten zurückgezogen und wesentlich verkleinert hat. Trotzdem wird dem deutschen Volk eingeredet, dass es von Russland bedroht sei, und dass wir deshalb unsere Rüstungsanstrengungen verstärken müssten.

Der eigentliche Grund für die neue Rüstungs-Kampagne: Der Große Bruder USA wünscht keine friedliche Kooperation zwischen Westeuropa und Russland. George Friedman von der US-Denkfabrik STRATFOR hat es im März 2015 in erfreulicher Klarheit öffentlich ausgesprochen: Es muss das Ziel der USA sein, Deutschland und Russland gegeneinander auszuspielen; nur so ist die amerikanische Vorherrschaft auf längere Sicht gewährleistet. Jeder deutsche Politiker, jeder deutsche Journalist sollte diese Aussagen kennen. Wer es dennoch nicht weiß, kann sich die wesentlichen Passagen auch heute noch bei youtube anhören.

Aber wesentliche Teile der deutschen Medienlandschaft und der Führung der Altparteien sind von Einflussagenten der USA unterwandert. Getreulich vertreten sie die Interessen des politisch-militärisch-geheimdienstlichen Komplexes der USA. Der widersinnige Nato-Beschluss von 2014, die Rüstungsausgaben nicht aus einer Bedrohungsanalyse abzuleiten, sondern einen festen Prozentsatz des Bruttoinlandproduktes vorzugeben, wird nicht in Frage gestellt. Deutschland, das wie die USA doch andere dringende soziale Probleme hätte, soll nach dem Willen der etablierten Altparteien weiter aufrüsten. Inzwischen stehen wieder deutsche Panzer 150 km vor Sankt Petersburg, dem ehedem leidgeprüften Leningrad.

Der Tag der Befreiung vom Faschismus sollte für die junge Generation, die den Krieg und das Elend der Nachkriegszeit nur aus dem Geschichtsbuch kennt, Anlass sein, sich gegen die Kriegspropaganda verantwortungsloser Politiker und Journalisten zu wehren. Nicht nur die Umweltproblematik und kapitalistischer Wachstumswahn, nein, auch die überwunden geglaubte Kriegsgefahr bedroht die Zukunft der Jugend.

Dieter Popp und Wolfgang Bergmann
07.05.2019


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