Hybride Kriegsführung

Seit ein paar Jahren werfen die USA in Bezug auf den Ukraine-Konflikt Russland "hybride Kriegsführung" vor, und selbstverständlich übernehmen die Nato-affinen Medien bereitwillig diesen Ausdruck. Aber Russland ist nicht der Erfinder dieser neuen Art der Kriegsführung.

Man kann darüber spekulieren, wann im Laufe des Kalten Krieges die ersten Elemente dieser Art der Auseinandersetzung unterhalb der Schwelle des völkerrechtlich erklärten Krieges angewandt wurden: Der 17. Juni 1953 in der DDR, der "Prager Frühling" 1968, die Streikbewegung "Solidarno??" in den 1980er Jahren in Polen - alles trägt Züge einer Unterwanderung durch westliche Geheimdienste, um den offen militärisch nicht angreifbaren Gegner, damals die Sowjetunion, zu schwächen und letztlich zu zerstören. Dieses ist in Bezug auf die Sowjetunion und ihre europäischen Schutzbefohlenen, u.a. die DDR, gelungen.

Man hatte nach dem Ende des Kalten Krieges erwartet, dass die Ost-West-Konfrontation, und damit jede Art von Kriegsvorbereitung und Krieg, beendet wären. Konsequenterweise hätte dieses das Ende von allen Militärbündnissen, von weiterem Wettrüsten und vor allem das Ende der hochprofitablen Rüstungskonzerne bedeutet. Bekanntlich wurde das erfolgreich sabotiert.

Zum einen glaubten Geostrategen in den USA, dass man den Sieg im Kalten Krieg gründlich auskosten müsste und sich zur einzigen Weltmacht aufschwingen könnte. Zum zweiten wollten die Rüstungskonzerne natürlich nicht ihr sehr einträgliches Geschäft aufgeben. Also musste der Konflikt mit dem einstigen Gegner Sowjetunion - jetzt Russland - wieder belebt werden, und ein neuer Gegner in Gestalt des bevölkerungsstarken und wirtschaftlich aufstrebenden China musste als "Bedrohung" aufgebaut werden.

Eine direkte militärische Konfrontation zwischen Atommächten ist jedoch wegen der wahrscheinlichen atomaren Selbstvernichtung nicht möglich. Deshalb gab es im Kalten Krieg "Stellvertreterkriege" wie in Korea oder im Nahen Osten. Auch das Massaker in Indonesien 1965 und der Putsch in Chile 1973 müssen dazu gezählt werden. Überall blieben die Atommächte im Hintergrund, lieferten aber Waffen, Militärberater und vor allem geheimdienstliche Unterstützung.

Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde auch die verdeckte Kriegsführung perfektioniert. Unter dem Begriff "hybride Kriegsführung" wird mittlerweile auch bei Wikipedia aufgezählt: Desinformations- und Propaganda-Kampagnen, Einsatz von verdeckt kämpfenden Spezialeinheiten, Einsatz von chemischen Kampfstoffen und improvisierten Sprengstoffen sowie neuerdings Cyberattacken gegen die Infrastruktur eines Landes.

Inzwischen haben auch Russland und China gelernt, dass die Gefahr für die eigene Souveränität nicht nur vom feindlichen Militärapparat ausgeht. "Trojanische Pferde" werden aufgebaut, indem nationale oder religiöse Minderheiten aufgewiegelt und materiell unterstützt werden. Sogenannte "NGOs" (non-governmental organizations) werden auf Umwegen aus dem Ausland finanziert und "beraten". Oppositionsbewegungen in Russland sowie nationale Minderheiten der Tibeter und der Uiguren in China erfreuen sich der ausführlichen Berichterstattung in den westlichen Medien.

Inzwischen vermutet auch der Westen bei vielen Oppositionsbewegungen im eigenen Lande, dass der Gegner Russland oder China hier mit "hybrider Kriegsführung" zugange wäre. Nach dem alten Sprichwort: "Was ich denk´ und tu, das trau´ ich auch andern zu". Die Gelbwesten in Frankreich, die Abspaltungsbewegung in Katalonien, die AfD in Deutschland - alles könnte ja vom bösen Putin gesponsert sein, um die EU zu spalten und zu schwächen. Dass es vielleicht die eigene verbohrte Politik sein könnte, womit die Probleme geschaffen wurden, kann damit leicht verdrängt werden.

Eine neue Variante des Kalten Krieges hat sich in den letzten Jahren entwickelt, und die Main-Stream-Medien betätigen sich als Haupttäter in diesem Krieg. Täglich werden die Bürger mit Halbwahrheiten oder auch ganzen Lügen überschüttet. Ehemals als seriös geltende Zeitungen wie die "Süddeutsche" oder die "Zeit" und auch die öffentlich-rechtliche Medien der ARD sind in der Hand von Chefredakteuren, die über transatlantische Seilschaften in ihre Führungspositionen gekommen sind.

Aber die Bürger des Jahres 2019 sind nicht mehr so unbedarft und leicht manipulierbar wie vor 50 Jahren. Der Kampf für Frieden und Abrüstung geht zusammen mit der Entlarvung von Meinungsmanipulation und Kriegspropaganda. Wir wollen alles dafür tun, dass den Kriegspropagandisten und Rüstungslobbyisten das Handwerk gelegt wird.

Dieter Popp und Wolfgang Bergmann
21.03.2019


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