Venezuela: Wieder mal ein
versuchter US-"Regime Change"

Seit Tagen kennen unsere Main-Stream-Medien kein anderes Thema als die politische Entwicklung in Venezuela. Die Parole ist: Gemeinsam für die Demokratie gegen Putin und Maduro. Ein von den USA großgezogener "Ritter der Demokratie" namens Juan Guaidó soll unter dem Beifall des Westens das venezolanische Volk aus Armut und Unterdrückung befreien.

Der Hintergrund: 1998 wurde Hugo Chávez mit 56 Prozent der Stimmen zum Präsidenten des erdölreichen Landes gewählt. Eine seiner wichtigsten Amtshandlungen war die Verstaatlichung der Erdölindustrie, die sich weitgehend unter US-Kontrolle befand. Damit hatte er sich natürlich die USA zum Feind gemacht. Die Analogie zum Iran und dessen Präsidenten Mohammad Mossadegh, der 1953 mit der Operation "Ajax" vom CIA gestürzt wurde, ist unverkennbar. Im Jahre 2002 wurde - wie in Mittel- und Südamerika fast schon Routine - ein US-gesteuerter Militärputsch versucht, der allerdings am Widerstand des venezolanischen Volkes scheiterte.

In der Folge wurde Venezuela mit Boykott- und Sanktionsmaßnahmen bestraft, die natürlich nicht ohne schwerwiegende wirtschaftliche Folgen blieben. Die wirtschaftlichen Sanktionen begannen schon unter US-Präsident Bush und eskalierten unter Präsident Obama. Es besteht kein Zweifel, dass die jetzige wirtschaftliche Situation für die Bevölkerung katastrophal ist. Ursache ist der Wirtschaftskrieg der Vereinigten Staaten, der starke Rückgang der Ölpreise und die wirtschaftliche Sabotage der bürgerlichen Opposition im Lande. Aber gemäß dem üblichen Propagandaschema ist es natürlich die "sozialistische Misswirtschaft" unter Hugo Chávez und seinem Nachfolger Nicolás Maduro.

Der politische Werdegang des jetzt hochgejubelten venezolanischen Oppositionsführers Juan Guaidó erinnert stark an die Karriere des zeitweiligen georgischen Staatspräsidenten Michail Saakaschwili. Eduard Schewardnadse, ehemaliger Günstling des Westen in Georgien, sollte 2003 in der "Rosenrevolution" gegen die noch willigere Marionette Michail Saakaschwili ausgetauscht werden. Auch er war in den USA für seine Rolle als Anführer der Rosenrevolution ausgebildet worden. (Inzwischen ist auch er wieder "verschlissen".)

Das Schema der US-gesteuerten "Revolutionen" ist inzwischen bekannt. Unter deren Folgen zu leiden haben besonders Libyen, Syrien, die Ukraine, und aktuell ist Venezuela im Visier. Juan Guaidó wurde von den USA planmäßig für seine Rolle aufgebaut und hat sich - bestens koordiniert mit den USA und deren Vasallen - zum rechtmäßigen Übergangspräsidenten ernannt. Nach bekanntem Muster wird der Konflikt weiter angeheizt, und es sollte uns nicht wundern, wenn - wie damals in Syrien und in der Ukraine - plötzlich in die Menge geschossen wird, wofür dann das "Regime" verantwortlich gemacht werden wird. Eine Militärintervention aus "humanitären Gründen" wäre dann nicht überraschend.

Empörend ist zunächst einmal die Arroganz der USA, die sich ihrerseits über angebliche russische Einmischung in ihre Präsidentschaftswahlen beschweren, aber selbst nicht die geringste Hemmung zeigen, sich offen in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates einzumischen. Empörend ist aber auch die Haltung der Mehrheit der Staaten der Europäischen Union, die uneingeschränkt den Neoimperialismus der USA unterstützen.

Man stelle sich vor, die EU würde in Frankreich für die "Gelbwesten" und gegen Präsident Macron offen Partei ergreifen. Oder die EU würde in den USA die Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi als rechtmäßige Präsidentin der USA an Stelle von Donald Trump anerkennen. Beides wäre nach den internationalen Prinzipien der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates undenkbar. Aber wenn es die selbsternannten "Guten" tun, ist offenbar alles erlaubt.

Geradezu niederschmetternd ist die Haltung unserer Main-Stream-Medien, die ungehemmt eine Propaganda verbreiten, deren Fadenscheinigkeit für jeden einigermaßen informierten Leser offensichtlich ist. Einstmals als seriös und liberal geltende Zeitungen wie die "Süddeutsche Zeitung" und die "Zeit" haben allerdings schon länger ihren ehemaligen guten Ruf verloren, und in den Leserforen wird der allzu einseitigen Berichterstattung teilweise sehr fundiert widersprochen.

Zur Zeit ist offen, in wieweit die USA einen Bürgerkrieg in Venezuela weiter anheizen, und ob sie zu offener militärischer Intervention greifen werden. US-Präsident Donald Trump, der seit Beginn seiner Amtszeit unter erheblichem innenpolitischen Druck steht, könnte versucht sein, die unter seinen Vorgängern eingefädelte Gewaltpolitik auf die Spitze zu treiben. Und die europäischen Nato-Vasallen, die ihn sonst schmähen (dürfen), würden ihm wahrscheinlich laut applaudieren.

Dieter Popp und Wolfgang Bergmann
07.02.2019


zurück