Erwartungen an das Treffen Trump - Putin

Am 16. Juli werden sich US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Wladimir Putin in Helsinki treffen. In der jetzigen Situation sollte ein solches Treffen normalerweise große Hoffnungen auf Entspannung wecken. Aber die europäischen Nato-Staaten und die westlichen Main-Stream-Medien geben sich skeptisch bis ablehnend. Angeblich fürchten sie, dass die USA "ihre militärischen Verpflichtungen gegenüber Europa" reduzieren könnten.

Man muss sich an den Kopf greifen: Hatte die westliche Welt vor 25 Jahren noch ernsthaft von Frieden, Abrüstung und Auflösung der Militärblöcke gesprochen, so gibt sie jetzt vor, sich von Russland bedroht zu sehen. Dabei hat sich die Rote Armee 1000 km nach Osten zurückgezogen. Nur dadurch, dass sich die Nato - entgegen den ursprünglichen Zusicherungen - nach Osten ausgedehnt hat, gibt es an den baltischen Staaten wieder einen direkten Berührungspunkt zwischen der Nato und Russland. Darüber hinaus haben die USA unter der Vorgänger-Regierung von Barack Obama versucht, Georgien und die Ukraine auch noch in ihre Einfluss-Sphäre zu holen.

Wer hier also wem "auf den Pelz gerückt" ist, sollte eigentlich jedermann klar sein. Der Versuch der Einkreisung Russlands (wie auch Chinas) ist offensichtlich. Aber unsere Politiker und die Medien stellen die Abwehr Russlands als "Aggression" dar. Dringend müssen wir angeblich aufrüsten (siehe das "2%-Ziel"), weil sonst unsere Sicherheit bedroht sei.

Donald Trump war im Wahlkampf mit der Aussage angetreten, das Verhältnis zu Russland verbessern zu wollen. Das wurde ihm prompt so ausgelegt, dass er eine "Marionette Putins" sei. Als er dann - trotz allerlei Intrigen und Kampagnen des alten Establishments von Geheimdiensten und Militär - zum Präsidenten gewählt wurde, gab die scheidende Obama-Regierung die Devise aus: "Die Russen haben die Wahlen beeinflusst". Seitdem sieht sich Donald Trump fortwährenden Verdächtigungen ausgesetzt, mit Putin illegale Absprachen getroffen zu haben. Außerdem werfen ihm Politiker des altem Systems "Leichtgläubigkeit und Naivität" und zu große Nachgiebigkeit gegenüber Russland vor.

Offensichtlich hatten bei den US-Präsidentschaftswahlen Deutschland und Mehrzahl der Nato-Staaten einseitig auf Hillary Clinton gesetzt und auch propagandistisch für sie Partei ergriffen. Immer noch weigern sie sich, zur Kenntnis zu nehmen, dass nicht Frau Clinton und ihre Kriegs-Fraktion Präsident geworden ist, sondern Donald Trump, den man nach wie vor als "Unperson" behandeln möchte. Insbesondere Bundeskanzlerin Merkel glaubt, auf eine US-interne Gegenregierung aus Kongress und Geheimdiensten bauen zu können. Die alte konfrontative US-Außenpolitik wird zur Zeit eher von den europäischen Vasallen verfolgt, als von der gewählten jetzigen US-Regierung.

Angesichts dieses illoyalen Verhaltens lässt sich auch Donald Trump nicht lumpen und behandelt die europäischen "Freunde" mit Geringschätzung. Auf deren "Bedenken" wird er voraussichtlich pfeifen, wenn er glaubt, mit Wladimir Putin einen vernünftigen Deal aushandeln zu können.

Die Bevölkerung Westeuropas sieht sich in der paradoxen Situation, dass ihre Friedens-Interessen nicht von den eigenen Regierungen vertreten werden, sondern eher von einem US-Präsidenten, der mit dem Slogan "America first" angetreten ist. Wünschen wir ihm in diesem Sinne das Gelingen eines guten "Deals" mit Wladimir Putin.

Dieter Popp und Wolfgang Bergmann
06.07.2018


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