Gotthold Schramm -
Nachruf auf einen unbeugsamen Kämpfer

Vor wenigen Tagen ereilte uns die Nachricht, dass Gotthold Schramm verstorben ist. Im Alter von 86 Jahren hat er uns für immer verlassen. Bis vor wenigen Jahren - solange es seine Gesundheit zuließ - hatte er regelmäßig an unseren Versammlungen teilgenommen und für den engen Kontakt mit der Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung e.V. (GRH) gesorgt.

Wir, die ehemaligen Kundschafter der DDR, hatten uns am 15. März 1995 als IKF e.V. zusammen gefunden, nachdem die ersten von uns aus der Strafhaft entlassen worden waren. Die hauptamtlichen Aufklärer der DDR hatten sich Mitte 1993 im Rahmen der GRH organisiert. Schon bald nahmen wir Kontakt zueinander auf und trafen uns zu gemeinsamen Veranstaltungen.

Gotthold Schramms besonderes Engagement galt dem Kampf gegen die nachträgliche Verleumdung der DDR und insbesondere deren Auslandsaufklärung. In zahlreichen Veröffentlichungen und in öffentlichen Veranstaltungen trat er unerschrocken dem westdeutsch dominierten "Zeitgeist" entgegen. Es war ihm wichtig, den Unterschied zwischen einem sozialistischen Nachrichtendienst und einem imperialistischen Geheimdienst deutlich zu machen. Insbesondere lag ihm daran, die Geschichtsschreibung nicht den anmaßenden Herren Gauck, Jahn und Knabe sowie einer Frau Birthler zu überlassen.

Ein besonderes Verdienst war im Jahre 2003 die Herausgabe eines Sammelbandes "Kundschafter im Westen", worin 30 ehemalige Kundschafter der DDR ihre Lebensgeschichte darstellten. Es war gewiss nicht einfach, 30 Individualisten - wir waren in unserer aktiven Zeit durchweg "Einzelkämpfer" - zu einem Autorenteam zusammen zu bringen. Aber gemeinsam mit Klaus Eichner und unter der Schirmherrschaft von Markus Wolf und Werner Großmann entstand ein authentisches Selbstzeugnis ehemaliger DDR-Kundschafter.

Wir haben Gotthold Schramm wegen seiner Energie und seines Organisationstalents bewundert. Wir werden seiner immer in Dankbarkeit gedenken.

Klaus-Dieter Wolff
31.05.2018


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