Nur "Säbelrasseln" oder
auf dem Weg zum 3. Weltkrieg?

Gebannt schaut die Welt auf die aktuelle Entwicklung um Syrien: US-Präsident Trump hat sich verbal weit aus dem Fester gelehnt und mit Luftangriffen in Syrien gedroht. Auf der anderen Seite hat Russland angesagt, dass man - anders als bei den Angriffen vor einem Jahr - nicht nur die US-Raketen abschießen, sondern auch die "Feuerquellen angreifen" werde. Also z.B. die US-Bomber abschießen oder die Raketen-tragenden US-Schiffe versenken. Das wäre seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges die erste direkte militärische Konfrontation zwischen den zwei Atommächten.

Üblicherweise erfährt die Weltöffentlichkeit nur sehr wenig darüber, was "hinter den Kulissen" abgesprochen wird. Und das war bisher meistens erheblich rationaler und mehr von diplomatischer Vernunft gekennzeichnet, als die schlagzeilenträchtigen Äußerungen gegenüber den Medien. Die verbalen Rüpeleien, für die z.Z. die US-Botschafterin bei der UNO, Frau Nikki Haley zuständig ist, sind zwar ärgerlich, brauchten bisher aber nicht überbewertet zu werden. Die weniger lautstarken Aussagen Russlands, diesmal nicht stillzuhalten, haben dagegen vermutlich mehr Gewicht. Die bisherigen Militäraktionen waren vom russischen Generalstab wohl überlegt und gut geplant. Es darf davon ausgegangen werden, dass alle möglichen Eskalationsschritte durchgespielt worden sind. Für die Seite der USA und ihrer Nato-Vasallen ist zu hoffen, dass auch dort eine Eskalation von kühl überlegenden Strategen durchdacht wird.

In dieser Situation ist es nicht unwichtig zu wissen, dass drei der westlichen Akteure z.Z. unter erheblichem internen Druck stehen. Die britische Premier-Ministerin Theresa May hat mit den schwierigen Verhandlungen zum "Brexit" zu kämpfen. Die tonangebenden EU-Europäer geben sich - zwecks Abschreckung anderer EU-Wackel-Kandidaten - alle Mühe, den Briten den Rückweg in die Souveränität möglichst schwer zu machen. Die Giftgas-Geschichte um die Skripals, mit der ein alter gemeinsamer Feind wieder belebt werden sollte, droht - da unglaubwürdig und fehlerhaft inszeniert - zum Rohrkrepierer zu werden. Nun hat Frau May ein neues Objekt, um mit außenpolitischen Kraftakten von ihren Glaubwürdigkeitsproblemen abzulenken.

Nicht wesentlich besser steht es um den neuen Darling des Westens, den neu gewählten französischen Präsidenten Emmanuel Macron. In einer Stichwahl konnte er sich gegen die sowieso aussichtslose Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National durchsetzen. Das sagt aber nichts über den Rückhalt des ehemaligen Rothschild-Investment-Bankers im französischen Volk aus. Seine neoliberalen "Reformpläne" stoßen in Frankreich auf erbitterten Widerstand der Gewerkschaften. In dieser Situation wäre es klassischerweise ein erprobtes Ablenkungsmanöver, mit dem einzigen Flugzeugträger "Charles de Gaulle" wieder einmal französische "Grandeur" zu demonstrieren.

Am schlimmsten steht es allerdings um den US-Präsidenten Donald Trump. Er hatte es geschafft, sich gegen die verschworene Gemeinschaft von Geheimdiensten und Armee durchzusetzen. Das alte Establishment konnte es nicht verwinden, dass seine Favoritin Hillary Clinton wider alle Erwartungen nicht als Präsidentin durchgekommen war. Man hatte nur eine Erklärung: Die Russen, also Wladimir Putin, haben Trump als ihre Marionette in den USA an die Macht gebracht. Seitdem muss Donald Trump immer wieder beweisen, dass er nicht Putins Marionette ist; am besten dadurch, dass er - entgegen seiner ursprünglichen Ansage - auf volle Konfrontation gegen Russland geht. Nebenbei werden ihm - wie schon während des Wahlkampfes 2016 - verschiedene Sex-Affären angehängt, womit man in den USA immer noch einen Präsidenten abschießen kann. Er hat also auch jegliches Motiv, sich mit aggressiven kriegerischen Manövern innenpolitisch Luft zu verschaffen.

Es steht also derzeit ziemlich schlecht um den Weltfrieden. Jens Berger titelt seinen aktuellen Beitrag in den "NachDenkSeiten": "Der Westen will Krieg. Der Westen bekommt Krieg." Die meisten Deutschen weigern sich noch, diese pessimistische Sichtweise zu teilen. Es braucht hier nicht betont zu werden, dass die Vorwürfe des Westens - Aggression Russlands, Giftangriff in England, Giftgaseinsatz in Syrien - völlig widersinnig und unplausibel sind. Jeder leidlich informierte und klar denkende Mensch kann leicht nachvollziehen, dass es sich hier um übelste Propaganda und Kriegshetze handelt. Aber das hindert unsere Main-Stream-Medien und die Mehrzahl der etablierten Politiker nicht, mit in das Kriegshorn zu stoßen. Nur eine Minderheit unabhängiger Geister in der Politik und in den Medien wagt es, Zweifel am Nato-Propagandakurs zu äußern.

Es wäre Aufgabe der besonnenen Kräfte in der EU und insbesondere der deutschen Bundeskanzlerin, zur Vernunft und zur Mäßigung aufzurufen. Offiziell ist davon nichts zu bemerken. Frau Dr. Angela Merkel ergeht sich lieber in Treueschwüren zur Nato und stellt sich hinter die völlig absurde Giftgas-Inszenierung in Syrien. Hoffen wir, dass sie in Wirklichkeit noch durchblickt und vielleicht "hinter den Kulissen" das Schlimmste zu verhindern versucht.

Klaus-Dieter Wolff
11.04.2018


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