Die USA gegen den Rest der Welt

Viel Feind´, viel Ehr´. Nach diesem Landsknechts-Spruch aus dem Mittelalter hat angeblich auch der letzte deutsche Kaiser gehandelt - wir wissen, mit welchem Ergebnis. Nun scheinen auch die USA diesen Spruch zur außenpolitischen Handlungs-Maxime erhoben zu haben. Allerdings geht es dabei nicht um Ehre - von persönlichen Eitelkeiten der jeweiligen US-Präsidenten einmal abgesehen -, sondern letztlich um wirtschaftliche und imperialistische Interessen.

Im Kalten Krieg bis 1990 war die Sowjetunion der Hauptgegner, den man erfolgreich totgerüstet hatte. Das anschließende Jahrzehnt war gekennzeichnet von der uneingeschränkten Dominanz der USA. Die unerwünschte Nebenwirkung für den dortigen Militärisch-Industriellen Komplex war jedoch, dass es mangels äußerer Feinde keine glaubwürdige Begründung mehr für weitere Hochrüstung gab. Sogar die Nato, mittels der die USA seit 1945 Europa kontrollierten, schien in ihrer Existenz gefährdet.

Unter US-Präsident George Bush jr. wurde deshalb der "Krieg gegen den Terror" erfunden. Daneben wurde Russland als Nachfolger der Sowjetunion wieder zum Feind erklärt. Nichts wäre ja aus US-Sicht schlimmer, als wenn Westeuropa mit Russland friedlich und zum beiderseitigen Vorteil zusammenarbeiten würde. Dank George Friedman vom US-Thinktank STRATFOR wurde der Welt aus berufenem Munde und in lobenswertem Klartext mitgeteilt, dass es immer Ziel der USA war und bleiben wird, eine Annäherung zwischen Westeuropa und Russland zu unterbinden. Die seit Jahren geschürten Spannungen gipfeln z.Z. in der sogenannten "Giftgas-Affäre", wo eine überdeutliche Spur nach Russland gelegt wurde.

Neben der Einkreisung Russlands wurde auch noch der "Arabische Frühling" angezettelt. Seit 2010 wurde versucht, einige den USA nicht genehme Regime zu stürzen, wozu nach inzwischen bekanntem Muster "das Volk" auf den Straßen demonstrierte und ggf. "sich bewaffnete". Das Schema ist seit den "Farben-Revolutionen" bekannt. Das angerichtete Chaos an der Südflanke Europas haben die europäischen Staaten zu tragen.

US-Präsident Barack Obama hat schließlich noch den "Pivot to Asia" ausgerufen. Das aufstrebende China soll von US-freundlichen Staaten so eingemauert werden, dass kein unkontrollierter Zugang zu den Weltmeeren möglich ist. Japan, Südkorea, die Philippinen und auch das lange Zeit geächtete Myanmar müssen dazu noch enger an die USA gebunden und mit modernen US-Waffensystemen ausgestattet werden.

Damit die USA die Kosten ihrer ambitionierten Weltmachtpläne nicht allein zu tragen brauchen, werden natürlich auch die Nato-Vasallen zur Kasse gebeten. Auf amerikanisches Geheiß "beschloss" die Nato, dass jedes Mitglied die Rüstungsausgaben auf 2% des jeweiligen Brutto-Inlandsproduktes zu steigern habe. Und am besten sollen dafür auch noch amerikanische Waffen gekauft werden. Aktuell wird in diesem Sinne gemeldet, dass Polen für 4,75 Milliarden Dollar Patriot-Raketen kaufen wird. Alles ganz im Sinne der USA! Aber ist es auch im Sinne Polens und Europas?

Wir bemerken z.Z. eine deutliche Kluft zwischen der veröffentlichten Meinung und dem erkennbaren Willen der Bevölkerungsmehrheit. Während die Main-Stream-Medien in geradezu sklavischer Folgsamkeit auch die durchschaubarsten Propaganda-Manöver nachvollziehen, findet man in den Leser-Foren der Medien sehr kritische und häufig gut begründete Kommentare. Dank Internet haben die Menschen heute - anders als im Kalten Krieg - mehr Möglichkeiten, die Nato-gesteuerte Propaganda zu durchschauen. Und nicht alle EU-Staaten schließen sich dem aktuellen Konfrontationskurs an.

Die Welt steht - vor Ostern, dem Fest des Friedens - wieder einmal vor einer bedrohlichen Situation. Das System der USA - unabhängig von der Figur des jeweiligen Präsidenten - steuert auf eine Machtprobe hin, die es allerdings ohne Unterstützung seiner Vasallen nicht erfolgreich bestehen kann. Die USA gegen den Rest der Welt - dafür sind die USA allein nicht mehr stark genug. Es liegt an Europa, ob es sich selbst weiter als Stiefelknecht des US-Imperialismus einspannen lässt, oder ob es erstens seine eigenen wirtschaftlichen Interessen und zweitens die Interessen der Welt nach einer friedlichen Entwicklung unterstützen will.

Dieter Popp und Wolfgang Bergmann
29.03.2018


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