"Regime Change" -
immer noch Ziel der Politik des "Westens"

Seit dem Ende der Sowjetunion hatten die Geostrategen in den USA freie Bahn, um ihre weltweite Dominanz weiter auszubauen. Alles, was sich nicht freiwillig fügte, sollte durch wirtschaftliche Pressionen und nötigenfalls auch mit militärischen Mitteln auf die gewünschte Linie gebracht werden. Durch eine freimütige Interview-Äußerung des ehemaligen US-Generals Wesley Clark im März 2007 wissen wir aus berufenem Munde, dass die US-Regierung unter Präsident George W. Bush jr. den Auftrag erteilt hatte, Pläne für entsprechende Kriege auszuarbeiten. "Sieben Länder in fünf Jahren" war damals die Vorgabe. Ziel war es, in den entsprechenden Ländern einen den USA genehmen "Regime Change" herbei zu führen.

Eines dieser Länder war Syrien. Seit 2011 leidet die syrische Bevölkerung unter einem von außen angezettelten Krieg, der nach unterschiedlichen Angaben ca. 400.000 Syrer das Leben kostete und mehr als die Hälfte der Bevölkerung in die Flucht trieb. Trotz massiver verdeckter und auch offener Unterstützung seitens der USA und ihrer Vasallen ist der angestrebte Regime Change nicht erreicht worden. Immer wieder versuchten die "Rebellen", die USA und die Nato zu einem direkten Eingreifen zu ihren Gunsten zu nötigen. Ein (mehrfach erfolgter) Versuch war es, der syrischen Armee den Einsatz von Giftgas anzulasten. US-Präsident Obama hatte dieses als die "Rote Linie" bezeichnet, deren Überschreiten die USA zu einem direkten Eingreifen berechtigen würde. Bald darauf gab es auch - wen wundert es - im August 2013 einen Angriff mit dem Nervengas Sarin, der 1700 Menschen das Leben kostete. Allerdings stellten die westlichen Geheimdienste schnell fest, dass das verwendete Sarin über den türkischen Geheimdienst den islamistischen Milizen zugespielt worden war. US-Präsident Obama ließ sich deshalb nicht in diese Falle locken.

Inzwischen hat sich das Blatt in Syrien gewendet. Durch das von der syrischen Regierung erbetene Eingreifen Russlands wurden die regierungsfeindlichen "Rebellen" so weit zurückgeschlagen, dass die endgültige Niederlage absehbar ist. Ein Frieden in Syrien wäre schnell möglich, sofern die Aggressoren sich das Scheitern ihrer Pläne eingestehen würden. Aber die tonangebenden Kräfte in den USA und der Nato sind noch nicht so weit. Im März 2017 wurde deshalb abermals die Giftgas-Geschichte inszeniert. In der Stadt Chan Scheichun wurde Sarin eingesetzt, was diesesmal 90 Menschen tötete und natürlich wieder der syrischen Armee angelastet wurde.

Für jeden einigermaßen logisch denkenden Menschen musste klar sein, dass ein solcher Einsatz fernab der Frontlinie militärisch keinen Sinn macht. Ebenfalls musste klar sein, dass er vorhersehbar politisch der syrischen Regierung nur schaden und lediglich den "Rebellen" nützen konnte. Die Kriminalisten-Frage "cui bono" (wem nützt es), hätte jedem Politiker und Journalisten sofort die Augen öffnen müssen. Aber diese einfache Frage wurde ausgeblendet. Stattdessen wurde ein "Joint Investigative Mechanism" (JIM) eingesetzt, der den Vorfall genauer untersuchen sollte. Kein einziges Mitglied der JIM-Untersuchungsgruppe ist je vor Ort gewesen. Stattdessen stützen sich die Untersuchungen auf nicht nachweisbare Zeugenaussagen nicht identifizierter Personen, und es wurden "Beweismittel" aus dubioser Quelle analysiert. Dennoch soll der JIM - so zumindest die Berichterstattung unserer Medien - "zweifelsfrei" nachgewiesen haben, dass das "Assad-Regime" für den Giftgasangriff verantwortlich sei.

Offensichtlich handelt es sich um einen Versuch, die Friedensgespräche im kasachischen Astana zu stören und die Verhandlungen unter Leitung des UN-Syrienbeauftragten Staffan de Mistura in Genf mit unrealistischen Vorbedingungen zu belasten. Mit der ständig wiederholten Propaganda-Lüge vom "Schlächter" Assad, der sein eigenes Volk mit Giftgas umbringe, soll immer noch der gewünschte Regime Change durchgesetzt werden.

Es bleibt dabei: Nur das syrische Volk selbst hat zu bestimmen, wer das Land regiert. Unsere Politiker und Journalisten sollten dieses Prinzip endlich anerkennen.

Klaus-Dieter Wolff
30.11.2017


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