Durchblicken in kriegerischen Zeiten

Seit ein paar Jahren bemerkt ein größer werdender Teil der Deutschen, dass unsere Main-Stream-Medien zunehmend in quasi-gleichgeschalteter Weise berichten. Auch wenn es kein Propaganda-Ministerium wie zu Goebbels Zeiten mehr gibt, ist eine de-facto-Gleichschaltung bei vielen Themen kaum zu übersehen. Hier soll uns vor allem die außenpolitische Konfrontations-Propaganda interessieren, die neben China aktuell vor allem Russland im Visier hat.

Mit der Auflösung des Warschauer Vertrages im März 1991 war selbstverständlich auch die Nato überflüssig geworden. Aber das passte dem militärisch-industriellen Komplex in den USA natürlich nicht ins Konzept. Erstens war die Nato das Instrument, um Europa politisch, wirtschaftlich und militärisch zu beherrschen. Zweitens ist die Rüstungsindustrie in den USA der am meisten Gewinn bringende Wirtschaftszweig, auf den die entsprechenden Konzerne nicht verzichten möchten.

Die Interessen Europas und speziell Deutschlands sollten allerdings anders gerichtet sein. Abrüstung und Ausweitung des Handels mit Russland sind zum beiderseitigen Vorteil. An einer Neuauflage des Kalten Krieges konnte hier niemand Interesse haben. Nichtsdestoweniger haben die Chefredakteure der Main-Stream-Medien die veröffentlichte Meinung auf Konfrontationskurs gegen Russland gebracht, wobei schwerpunktmäßig die Person Wladimir Putins im Visier steht.

Die Frage, wie diese Ausrichtung unserer Medien funktioniert, wurde nicht von unseren "investigativen" Journalisten - etwa des Spiegel - aufgeklärt, sondern von einer Kabarett-Sendung: In "Die Anstalt" vom April 2014 wurden die Verflechtungen deutscher Journalisten und Politiker mit US-gesteuerten transatlantischen Netzwerken aufgedeckt. Neben der "Atlantic Brücke" sollen hier nur der "German Marshall Fund", die "Münchner Sicherheitskonferenz" und das "Aspen Institute" erwähnt werden. Willy Wimmer nannte sie in einem Interview treffend "transatlantische Bruderschaften". Auch wenn die entsprechenden Journalisten vielleicht (?) kein Geld für ihre parteiliche Berichterstattung bekommen, darf einen die Einseitigkeit und Parteilichkeit dieser Herren (und vereinzelter Damen) nicht wundern.

Wie kann man sich - mangels unmittelbarer objektiver Quellen - vor dieser Art der Manipulation schützen? Als erstes gilt die alte lateinische Devise "audiatur et altera pars" (Man höre auch die andere Seite). Die andere Seite wird neben wenigen alternativen deutschen Medien durch "RT-Deutsch" und "Sputnik-News" vertreten. Auch wenn man dort nicht unbedingt immer die reine Wahrheit erfährt, ist es notwendig, diese Stimmen zu hören und gegen die heimischen Meldungen abzuwägen. Der zweite Prüfstein ist die Kriminalisten-Frage "cui bono?" (wem nützt es?); wer kann an einer bestimmten Entwicklung ein Interesse haben. Schließlich ist auch der gesunde Menschenverstand nach der "Plausibilität" eines berichteten Ereignisses gefragt: Ist etwas physikalisch/technisch so möglich? Entspricht es ähnlichen bekannten Ereignissen?

Wir wollen hier beispielhaft den Giftgasangriff vom 21. August 2013 östlich von Damaskus betrachten. Bekanntlich hatte US-Präsident Obama kurz davor einen möglichen Giftgaseinsatz als die "Rote Linie" benannt, dessen Überschreiten ein militärisches Eingreifen durch die USA in Syrien auslösen würde. Sollte der syrische Präsident Baschar al-Assad tatsächlich die USA zu einem Eingreifen zugunsten der "Rebellen" eingeladen haben? Allein schon diese Überlegung legt nahe, dass der provokative Einsatz des Giftgases Sarin nur im Interesse der "Rebellen" gelegen haben konnte. Spätere Meldungen, deuteten an, dass das Giftgas vom türkischen Geheimdienst den "Rebellen" zugespielt worden sei, die damit das Eingreifen der USA provozieren wollten. Es handelte sich demnach um eine typische "False-Flag-Operation". Diese Meldung ist deutlich eher plausibel, war aber - bezeichnenderweise - in den deutschen Medien kaum zu finden.

In diesem Stile wird das Volk laufend weiter manipuliert und auf Kriegskurs gebracht. Aktuell wird über die Lage der Menschen in Ost-Aleppo geklagt, die durch eine syrisch-russische Offensive bedroht sind. Selbstverständlich werden - gemäß unseren Medien - durch die vorbereitenden Luftangriffe nur Zivilisten und vor allem Kinder getötet. Über die ähnliche Offensive der US-Verbündeten im irakischen Mossul wird anderes berichtet: Obwohl sich dort wesentlich mehr Zivilisten in der Hand islamistischer Terroristen befinden, wird die humanitäre Lage dort weniger thematisiert. Und fast überhaupt nicht berichtet wird über die Luftangriffe Saudi-Arabiens im Jemen, über dortige zivile Opfer und Bombardierungen von Krankenhäusern und zivilen Objekten.

Die gesteuerte Einseitigkeit unserer Main-Stream-Medien ist kaum zu übersehen, und es fällt schwer, das pauschalierende Urteil "Lügenpresse" zurück zu weisen. Halten wir Augen und Ohren offen und bedienen wir uns unseres eigenen Verstandes. Keine Lüge ist so perfekt, als dass man sie nicht doch durchschauen könnte.

Dieter Popp und Wolfgang Bergmann
25.09.2016


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