Der Vertrauensverlust in die Main-Stream-Medien

In der "alten Bundesrepublik" genossen viele überregionale Zeitungen und die öffentlich-rechtlichen Medien das Vertrauen ihrer Konsumenten. Ob das immer gerechtfertigt war, sei dahin gestellt. In den letzten Jahren ist dieses Vertrauen fast völlig verflogen und gipfelt in dem Slogan "Lügenpresse". Dank der Möglichkeiten des Internets sind die Bürger in der Lage, sich selbst ein Bild zu verschiedenen Themen zu verschaffen und unterschiedliche Standpunkte zu kontroversen Positionen anzuhören. Und da fällt ihnen zunehmend auf, dass einseitige Berichterstattung und Meinungsmache um sich greifen.

In der Tat ist erkennbar, dass die Leit-Medien einen offensichtlichen Propaganda-Auftrag erfüllen. Von seriösem Journalismus kann nur noch im Ausnahmefall gesprochen werden. Renommierte Journalisten alter Schule wie z.B. Walter van Rossum beklagen, dass der selbsternannte Qualitätsjournalismus sich fast durchgehend zum Sprachrohr des Neoliberalismus und zu Propagandisten des als "Reformen" bezeichneten Sozialabbaus gemacht hat. Ferner haben diese Medien in den letzten 15 Jahren einen neuen Kalten Krieg geradezu herbei geschrieben.

Besonders auffällig ist die manipulative Berichterstattung zur Situation in der Ukraine. Die Morde auf dem Maidan am 20. Februar 2014, der Abschuss des Malaysia-Airlines-Fluges MH17 am 17. Juli 2014 - alles das decken die Medien mit einem Schleier von Halbwahrheiten und Verschweigen zu. Stattdessen wird die offensichtlich verordnete Sprachregelung von der "Annexion" der Krim täglich serviert, obwohl anerkannte Völkerrechtler wie Prof. Reinhard Merkel feststellen, dass es sich um eine Sezession gehandelt hat. Es bleibt einigen wenigen unabhängigen Journalisten wie Gabriele Krone-Schmal vorbehalten, für eine objektive Sicht auf die Entwicklung zu plädieren. Bei der Masse der Journalisten fragt man sich, ob sie selbst Opfer einer organisierter Gehirnwäsche geworden sind, oder ob sie sich aus Angst um ihre Existenz zu Lohnschreiberlingen degradieren ließen.

Peter Scholl-Latour hat kurz vor seinem Tod in einem Interview gesagt hat: "Wenn Sie sich einmal anschauen, wie einseitig die hiesigen Medien, von TAZ bis Welt, über die Ereignisse in der Ukraine berichten, dann kann man wirklich von einer Desinformation im großen Stil berichten. Ähnliches fand und findet ja bezüglich Syrien und anderen Krisenherden statt." Ja, um ehemals angesehene Zeitungen wie die "Süddeutsche", die "Frankfurter Rundschau" oder die "Zeit" kann es einem wirklich leid tun. In den Leserforen bekommen diese Blätter großenteils heftigen Gegenwind von ihrer Leserschaft. Nun klagen die kritisierten Journalisten, dass die Leserforen von "Putins Trollen" unterwandert seien. Aber die Qualität und das sprachliche Niveau der Leserbeiträge sprechen nicht für diese Behauptung. Viele Beiträge zeugen von einem deutlich besserem Informationsstand als man ihn bei den Zeitungs-Kommentatoren erkennen kann. Es sind die bezahlten Journalisten, die sich vor ihren aufgeklärten Lesern fürchten müssen. Die "Süddeutsche" hat deshalb schon vor Monaten sämtliche Leserforen eingestellt, in der "FAZ" sind Leserforen fast nur noch zu unkritischen Themenbereichen vorgesehen, und die "Zeit" nimmt sich das Recht, Beiträge zu löschen. Wahrhaftig: Das ist Feigheit vor dem mündigen Bürger.

In diesen Tagen hält der syrische Bürgerkrieg und die von dort kommende Flüchtlingswelle Deutschland in Atem. Die deutsche Politik hat in den letzten Jahren nichts getan, um zur Befriedung des Landes beizutragen, und die Medien haben das Ihre dazu getan, um mit einseitigen Schuldzuweisungen das von der NATO gewünschte Feindbild zu erzeugen. Der von den USA angestrebte "regime change" in Syrien wird von unseren Medien unverändert gut geheißen. Die jetzige Situation kann zu einer weiteren Konfrontation mit Russland führen. Die kraftmeierischen Sprüche von NATO-Generalsekretär Stoltenberg sprechen dafür, dass genau dieses beabsichtigt ist. Liebe Schreiberlinge der Main-Stream-Medien: Ihr habt Euren Auftrag als Meinungsmacher fleißig verfolgt. Allerdings sind die Menschen heute nicht mehr so primitiv zu manipulieren - da habt Ihr kein so leichtes Spiel mehr.

Klaus-Dieter Wolff
09.10.2015


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