Oktoberfestattentat 1980 -
Jetzt endlich die Wahrheit?

Am 26. September 1980 ereignete sich in München beim Oktoberfest der bisher schwerste Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Ermittlungsbehörden und die damalige Regierung beeilten sich, das Attentat einem "Einzeltäter" zuzuschreiben, Verbindungen zur "Wehrsportgruppe Hoffmann" wurden abgetan. Die Einzeltäter-These wurde von Anfang an bezweifelt. Nun - nach 34 Jahren - sieht sich die Bundesanwaltschaft genötigt, die Ermittlungen doch wieder aufzunehmen. Zeugenaussagen, die bereits 1980 vorlagen, werden jetzt neu "entdeckt".

Um die politische Dimension des Verbrechens zu erkennen, muss man sich weitere Ereignisse des Jahres 1980 vor Augen führen. Am 2. August 1980 gab es im Hauptbahnhof von Bologna einen noch viel verheerenderen Bombenanschlag mit 85 Toten und über 200 Verletzten. Die rechtsradikalen Täter wurden verurteilt; deren Verbindung zum italienischen Geheimdienst wurde bewusst nicht aufgeklärt. Weitere, weniger blutige Anschläge ereigneten sich in mehreren anderen Nato-Staaten.

Schon bald wurde erkennbar, dass die USA in Europa eine "Strategie der Spannung" verfolgten. Diese zielte darauf ab, innerhalb des Landes Unruhe zu erzeugen, um reaktionäre politische Strömungen zu stärken. Washington, London und der italienische militärische Geheimdienst SISMI befürchteten, dass der Einzug der Kommunisten in die Regierung die Nato von innen heraus schwächen könnte. Um dies zu verhindern, wurde das Volk manipuliert: Rechtsextreme Terroristen führten Anschläge aus. Diese wurden durch gefälschte Spuren dem politischen Gegner angelastet, damit das Volk selber nach mehr Polizei, weniger Freiheitsrechten und mehr Überwachung durch die Nachrichtendienste verlangen sollte.

Ausführende Organe waren von den USA in Westeuropa aufgebaute "Stay-Behind"-Geheim-Organisationen, die unter der in Italien bekannt gewordenen Bezeichnung "Gladio" an die Öffentlichkeit kamen. Derartige Organisationen wurden nachgewiesen in den Nato-Ländern Italien, Frankreich, Deutschland, Spanien, Portugal, Griechenland, Türkei, Belgien, Luxemburg, Niederlande, Dänemark und Norwegen wie auch in den offiziell neutralen Ländern Schweden, Schweiz, Österreich und Finnland. Die Begründung für den Aufbau dieser Geheimarmeen Ende der 1940er Jahre war, es gelte, bei einem zu erwartenden Angriff der Roten Armee auf Westeuropa einen Partisanenkrieg vorzubereiten: Die beliebte "Bedrohung aus dem Osten", die für Anti-Kommunismus und Remilitarisierung herhalten musste.

Die Stay-Behind-Armeen waren dem Volk, dem Parlament und den meisten Regierungsmitgliedern unbekannt und bildeten in ganz Westeuropa ein unsichtbares, koordiniertes, geheimes Netz. In einigen Ländern mutierten die Sicherheitsnetze zu Terrorzellen, die vom Pentagon, der Nato und der CIA gesteuert wurden.

In Deutschland wurde ein Teil der Geheimarmee schon 1952 entdeckt. Der ehemalige SS-Offizier Hans Otto erklärte damals der erstaunten Kriminalpolizei in Frankfurt, dass er zusammen mit 100 weiteren Getreuen einer geheimen Widerstandsgruppe angehöre, welche für den Fall einer sowjetischen Invasion trainiere, geheime Waffenlager unterhalte und dafür von den Amerikanern unterstützt werde. Außer der Roten Armee hatte man auch den innenpolitischen Feind im Auge: Mitglieder der KPD und der SPD, von denen einige gemäß detaillierten "Proskriptionslisten" im Ernstfall umgebracht werden sollten. Offenbar auf amerikanische Weisung ordnete damals die Bundesanwaltschaft die Freilassung der Geheimarmee-Mitglieder an. Die Verbindungen der deutschen Geheimarmee zum rechtsextremen Milieu wurden nicht weiter untersucht.

Offiziell wird verkündet, dass es die Geheimarmeen heute nicht mehr gibt. Das mag sein, da es die damaligen Mitglieder aus biologischen Gründen nicht mehr gibt. Ähnliche Organisationsformen sind aber anderenorts wieder erkennbar. Beim Putsch von Kiew waren Kräfte beteiligt, die 2006 in Estland durch NATO-Ausbilder trainiert wurden. Der Staatsstreich hätte nicht erfolgreich sein können, wenn die NATO nicht einen großen Teil der ukrainischen militärischen Hierarchie auf ihre Seite gebracht hätte, indem sie diese jahrelang am NATO Defence College und in der "Operation für den Frieden" ausgebildet hätte. Es ist leicht vorstellbar, dass unter dem offiziellen Netzwerk auch ein neues geheimes Netzwerk à la "Gladio" aufgebaut wurde.

Daneben wird insbesondere in Deutschland sichtbar, dass die Chef-Redakteure der Main-Stream-Medien und Politiker der herrschenden Parteien in US-finanzierten Netzwerken tätig sind und die öffentliche Meinung auf US-Kurs zu bringen versuchen. Der Krieg wird vorzugsweise mit dem Mittel der Propaganda geführt. Techniken für den städtischen Kampf und der Einsatz von Sprengstoff für Sabotage und Attentate sind zwar in Westeuropa gerade ´mal nicht angesagt, bleiben aber als Option erhalten.

Wenn die Bundesanwaltschaft nun tatsächlich Licht in das Oktoberfestattentat von 1980 bringen sollte, wird sie sicherlich jegliche tieferen politischen Zusammenhänge ausblenden. Die Tatsache, dass Deutschland nach wie vor eine amerikanische Kolonie ist, die mit allen militärischen, geheimdienstlichen und propagandistischen Mitteln kontrolliert wird, soll nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Wahrscheinlicher ist aber, dass überhaupt nichts aufgeklärt werden wird; alles wird zu "absurden Verschwörungstheorien" erklärt werden. Versuchen wir, es den Beschwichtigern und Vertuschern nicht zu leicht zu machen!

Dieter Popp und Wolfgang Bergmann
15.12.2014


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