Geradewegs in einen neuen Krieg?

In diesen Tagen jährt sich der Beginn des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal. Die Großmächte dieser Zeit seien "wie Schlafwandler" in dieses Verhängnis hinein geschlittert, so eine gängige neue These. Doch das ist höchstens die halbe Wahrheit: Es waren die rivalisierenden Interessen der imperialistischen Großmächte, die zwangsläufig zu einem Krieg führen mussten, wie u.a. Lenin 1916 schrieb.

Aktuell gebärden sich die USA und ihre NATO-Vasallen so, als wenn sie noch unbedingt rechtzeitig zum "Jubiläum" einen neuen Krieg anzetteln wollten. "Der Krieg wird konsequent vorbereitet", so schätzte kürzlich Willy Wimmer die erkennbare US-Außenpolitik ein. (Als ehemaligen verteidigungspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Fraktion und Parlamentarischen Staatssekretär im Verteidigungsministerium kann man ihn kaum als "linken Spinner" abtun.) Dem voraus ging schon seit Langem eine beispiellose Anti-Putin-Hetze in den westlichen Main-Stream-Medien.

Erster Gipfelpunkt der neuen Krise war der US-gesteuerte Putsch gegen den gewählten ukrainischen Präsidenten Janukowitsch am 22. Februar 2014. Noch am Tag davor hatte er mit den europäischen Außenministern Steinmeier, Fabius und Sikorski ein Abkommen unterzeichnet, das eine friedliche Beilegung der Ukraine-Krise ermöglicht hätte. Dieses Abkommen wurde von den USA bzw. von der bekannten Frau Nuland ("Fuck the EU") hintertrieben; es bestand seitens der USA kein Interesse an einem friedlichen Interessen-Ausgleich. Die Einkreisungspolitik gegen Russland sollte, wie 1998 von Zbigniew Brzezinski in seinem Buch "The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives" beschrieben, konsequent durchgezogen werden.

Die Herren Steinmeier, Fabius und Sikorski hätten sich eigentlich düpiert fühlen müssen, machten aber gute Miene zum bösen Spiel. Die mit US-Hilfe an die Macht gekommenen Kiewer Politiker Jazenjuk und Poroschenko mussten den Abfall der Krim hinnehmen, was unsere gleichgeschalteten Main-Stream-Medien konsequent, aber in Verdrehung der Tatsachen als "Annexion" bezeichnen. In der Folge versuchten sie, den weiteren Zerfall des Staates mit Waffengewalt zu verhindern. Für den mangelnden Erfolg dieser Gewaltaktion wird natürlich der Dämon Wladimir Putin verantwortlich gemacht.

Einen neuen Höhepunkt der Krise stellt der Abschuss der Malaysian MH 017 am 17. Juli 2014 dar. Sofort wurden die "Separatisten" und hinter ihnen stehend Wladimir Putin hierfür verantwortlich gemacht. Dabei ist jedoch ziemlich ausgeschlossen, dass die ostukrainischen Volksmilizen in der Lage waren, das einzig hierfür geeignete Fla-System "Buk" zu bedienen. Wohl aber hatte die ukrainische Armee mehrere Batterien dieses Typs mit den dazugehörigen Radar- Überwachungs- und Feuerleitsystemen in der Region im Einsatz.

Da die NATO mit ihren AWACS-Aufklärungflugzeugen die Region genauestens überwacht, sollte es ein Leichtes sein, die Flugbewegungen und Radar-Aktivitäten zu rekonstruieren. Auch die Satelliten-Überwachung dort dürfte lückenlos gewesen sein. Wo aber bleibt die Offenlegung dieser Daten? Warum wird der inzwischen gefundene Flugschreiber ausgerechnet in England ausgelesen, wo doch die englische Voreingenommenheit bekannt ist? Ist hier ein nicht-manipuliertes Ergebnis zu erwarten?

Inzwischen hat ein Fachmann für Luftfahrt, Peter Haisenko, aufgrund veröffentlichter Fotos von Trümmerteilen geäußert, dass die erkennbaren Beschädigungen für Einschusslöcher von 30-mm-Maschinenkanonen sprechen - der Standardbewaffnung des Jagdflugzeuges "SU 25". Das passt zu veröffentlichten Radaraufzeichnungen Russlands, die mindestens eine ukrainische SU 25 in der nächsten Nähe der MH 017 zeigen. Es korrespondiert ebenfalls mit der Aussage eines spanischen Fluglotsen, der zwei ukrainische Kampfflugzeuge in der direkten Nähe der MH 017 gesehen hat. Und nun kommt der "Hammer" bei Peter Haisenko: Die MH 017 war in ihrer Lackierung verwechselbar mit der eines Flugzeug, mit welchem sich Wladimir Putin zu dieser Zeit auf der Rückreise aus Südamerika befand. Da das Flugzeug etwa 30 Minuten Verspätung hatte, konnte der Flug MH 017 für Putins Flugzeug gehalten und angegriffen worden sein.

"Aha, schon wieder eine dubiose Verschwörungstheorie", wird da mancher sagen. Doch wir wissen: Es gibt Verschwörungen, und einige wurden später aufgedeckt. Immer, wenn ein Kriegsgrund gesucht wird, werden "Beweise" gefälscht und es wird systematisch gelogen; die USA sind dessen mehrfach überführt. Was den aktuellen Verdacht betrifft, so könnte er leicht anhand der vorhandenen Luftüberwachungs-Daten und der seit einer Woche gefundenen Flugschreiber und Stimmenrecorder bestätigt oder auch falsifiziert werden. Hier wird aber von der Kiewer Regierung, den USA und der NATO "gemauert". Stattdessen werden die alten Beschuldigungen erhoben, und es werden "Sanktionen" beschlossen, geradeso als wäre die Schuldfrage geklärt.

Steuern die USA die NATO bewusst in eine Konfrontation? Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt warf bereits Mitte Mai der EU-Außenpolitik bei dem Versuch, die Ukraine anzugliedern, Größenwahn und Unfähigkeit vor und warnte vor der Gefahr eines dritten Weltkriegs. Zuvor hatte Altkanzler Gerhard Schröder die Ukraine-Politik des Westens kritisiert. Nun also spricht auch der oben genannte Willy Wimmer von einem amerikanischen Drehbuch zum offenen Krieg mit Russland. Kann es noch mehr Alarmrufe aus berufenem Munde geben? Begreifen die europäischen Politiker den Ernst der Lage?

Hoffen wir, dass die alten Herren der Politik Schmidt, Schröder und Wimmer mit ihren Warnungen Unrecht haben. Hoffen wir, dass Merkel, Steinmeier und ihre europäischen Kollegen den Weg in einen neuen Krieg noch stoppen. Auf die Vernunft des "Friedensnobelpreisträgers" Obama sollte man eher nicht hoffen.

Dieter Popp und Wolfgang Bergmann
31.07.2014


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