Kampagnen-Journalismus
gegen die mündigen Bürger

Seit Jahren, insbesondere aber nach der Wiederwahl Wladimir Putins 2012 zum russischen Präsidenten, schüren die westlichen Main-Stream-Medien ein neues Feindbild Russland. Neuerdings wird von "Putins Expansionismus" gesprochen, gerade so, als ob es nicht die USA und ihre europäischen Nato-Vasallen waren, die ihren Einflussbereich ständig erweitert und sich militärisch immer näher an Russland herangeschoben hätten. Insbesondere im Fall der Ukraine sind die amerikanischen Expansionspläne lange bekannt: Der ehemalige Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski hatte 1998 in seinem Buch "Die einzige Weltmacht" die US-Ambitionen dargestellt und dabei auch das besondere Interesse an der Ukraine beschrieben.

Dass dieses nicht die private Meinung eines ehemaligen Politikers war, konnte die Welt 2004 bei der sogenannten "Orangenen Revolution" feststellen. Inzwischen hat die bekannte Frau Victoria Nuland ("Fuck the EU") in einem Interview für den TV-Sender CNN bestätigt, dass Washington fünf Milliarden Dollar für die "Unterstützung der Demokratie in der Ukraine" bereitgestellt hat. Ihrem Wunsch gemäß wurde dann auch der US-Favorit Arsenij Jazenjuk am 27. Februar 2014 als Ministerpräsident der Ukraine an die Macht geputscht. Der inzwischen zum Staatspräsidenten gewählte Oligarch Petro Poroschenko agiert ebenfalls im US-Sinne und versucht, die Probleme der Ukraine mit Gewalt zu lösen.

Das begleitende journalistische Trommelfeuer unserer "Alpha-Journalisten" wurde allerdings von einem überraschend großen Leserecho gekontert. In Leserbriefen und Online-Foren verwahrt sich die Mehrzahl gegen einseitige Berichterstattung und versuchte Manipulation der öffentlichen Meinung. Dieses musste unter anderem der Deutschlandfunk schon Mitte März einräumen. Auch mehrere renommierte ehemalige Politiker rieten zu einer realistischen Einschätzung der Lage in Osteuropa und zu mehr Einfühlungsvermögen in die Interessenlage Russlands. Weshalb sie sogleich als "Putin-Versteher" geschmäht wurden.

Hier ´mal für unsere Journalisten eine kurze Nachhilfe zum deutschen Wort "verstehen": In der ersten Ebene bedeutet es, die Äußerung eines anderen akustisch richtig und vollständig aufzunehmen. In der zweiten Ebene bedeutet es, die dahinter stehenden Intentionen und Interessen zu erkennen. Erst in der dritten Ebene bedeutet es, sich die Interessen und Intentionen des anderen zueigen zu machen. Leider wird das von vielen Journalisten absichtsvoll (oder aus Unverstand) durcheinander gebracht. Oft scheitert eine seriöse Berichterstattung bereits an der korrekten und vollständigen Wiedergabe einer Aussage: Verfälschte (falsch übersetzte) oder aus dem Zusammenhang gerissene Äußerungen dienen als Aufhänger für Propaganda und Polemik. Aber auch beim zweiten Schritt - dem Erkennen der Interessenlage des Gegenübers - scheitern viele unserer Qualitäts-Journalisten, sei es aus gewollter Einseitigkeit oder auch aus ideologischer Verblendung. Der erkennbare Propaganda-Auftrag lautet: Aufbau eines neuen Feindbildes, um die Bindung der EU an die USA zu verstärken und ein neues Wettrüsten zu begründen.

Eines von mehreren möglichen Beispielen lieferte am 02.06.2014 der Journalist Frank Pergande in der FAZ: In einem Artikel "Deutsch-russische Beziehungen - Einseitige Freundschaft" wundert er sich über eine "Sympathie für Russland", insbesondere im Osten Deutschlands. Aus dem Leserecho könnte der Autor einiges lernen. Nämlich, dass die Bürger durchblicken und sich nicht in eine neue Konfrontation treiben lassen wollen.

In der "Welt" vom 03.06.2014 schreibt Christoph B. Schiltz aus Brüssel: "Deutsche Haltung zu Kampftruppen enttäuscht Nato". Die von den USA gewünschte "dauerhaften Stationierung von Truppen in Osteuropa" und die von Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen geforderten verstärkten Rüstungsanstrengungen stoßen zur Enttäuschung der Brüsseler Strategen auf wenig Gegenliebe in Deutschland. Ein Leser-Kommentar: "Seltsam dieser Bericht. Wer hier wen bedroht, kann man herausfinden, wenn man mal schaut, wo die Nato überall steht." Ein anderer Kommentar: "Die USA sollten aufhören unsere Europäischen Politiker zu erpressen, sich an ihren Kriegen zu beteiligen. Wir Bürger wollen keinen Irakkrieg, keinen Afghanistankrieg. Wir wollen auch keinen Krieg gegen Russland, weder einen Wirtschaftskrieg noch einen anderen Krieg."

Ja, Ihr lieben "Alpha-Journalisten" unserer "Qualitätsmedien", die Mehrzahl der Deutschen will Frieden und endlich Abrüstung. Ein neuer Kalter Krieg wäre zweifellos im Sinne der USA und der Rüstungsindustrie. Die Bürger sind da glücklicherweise klüger.

Klaus-Dieter Wolff
03.06.2014


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