Drohnenkrieg: Töten per Mausklick

Seit ein paar Jahren hören und lesen wir von amerikanischen Kampfdrohnen, die im "Krieg gegen den Terror" verstärkt eingesetzt werden. In Afghanistan, Pakistan und im Jemen haben diese neuen Waffen mehrere Tausend "Zielpersonen" getötet. Dass dabei zwangsläufig Unbeteiligte ums Leben kommen, wird als "Kollateralschaden" verbucht. Pakistanische Quellen melden, dass allein im Jahre 2009 ca. 700 Zivilisten bei Drohnenangriffen getötet worden seien.

Tatsächlich ist die Idee, unbemannte, ferngesteuerte Fluggeräte im Luftkrieg einzusetzen, nicht so neu. Zum Beispiel erschien hierzu im Jahre 1926 in der Jahresschrift "Das Neue Universum" ein Artikel, der sich seinerseits auf amerikanische Veröffentlichungen stützte. Ausgehend von den Erfahrungen mit Kampfflugzeugen im Ersten Weltkrieg und den ersten Erfolgen der drahtlosen Bildübertragung wurde ein ferngesteuertes, bewaffnetes Flugzeug beschrieben, dessen Piloten, ungefährdet vor Bildschirmen sitzend, Bomben abwerfen konnten.

Von der Idee zur Realisierung war es jedoch ein weiter Weg, weil eine verzugslose, sichere Datenübertragung nicht so leicht zu realisieren war. Außerdem hätte sich ein fliegender Fernseh-Sender bereits auf größte Entfernung verraten. Der Pilot im Kampfflugzeug blieb über Jahrzehnte unentbehrlich. Lediglich die auf vorprogrammierten Kursen fliegenden Aufklärungs-Drohnen, die bei ihrer Rückkehr fotografische Luftbilder mitbrachten, bestimmten über Jahrzehnte die unbemannte Fliegerei. Offenbar ist es erst mittels Satelliten-Relais-Stationen möglich geworden, die nötigen Datenmengen zu übertragen und gleichzeitig ein Anpeilen der Drohne vom Boden des Ziellandes auszuschließen.

Der mögliche Verzicht auf einen Piloten im Flugzeug selbst erspart dort Volumen und Gewicht für den Menschen plus Schleudersitz, Versorgung usw.. Die Nutzlast in Form von Mikroelektronik und Optik kann auf einen winzigen Bruchteil reduziert werden. Lediglich der mitzuführende Treibstoff und die Bomben oder Lenkraketen bedingen eine Mindestgröße.

Der entscheidende Vorteil dieser neuen Kriegsgeräte ist jedoch, dass kein Pilot mehr seine Haut riskieren muss. Sicher im Sessel sitzend, womöglich das Whiskyglas in der linken Hand, kann er entspannt seine Opfer verfolgen und per Mausklick den Tod hinab schicken.

Die Vision, andere umzubringen, ohne selbst das geringste Risiko einzugehen, begeistert auch unseren christlichen Verteidigungsminister Thomas de Maizière. Er sieht in den fliegenden Kampfrobotern sogar einen "ethischen Fortschritt". Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages Hellmut Königshaus, eigentlich "Anwalt der Soldaten", betätigt sich ebenfalls als Trommler für die neue Kriegstechnik. Galt es früher als ritterlich, seinem Gegner mit gleichen Waffen gegenüber zu treten, besteht der "ethische Fortschritt" darin, mit technisch überlegenen Waffen unterentwickelte Gegner abzuschlachten.

Ja, wenn niemand mehr den eigenen Hintern riskieren muss, lassen sich leichter imperialistische Kriege führen. Das war im Vietnamkrieg noch anders: Neben mehr als vier Millionen getöteten Vietnamesen starben auch 58.168 US-Soldaten. Nur letztere wurden genau gezählt und in den USA wahrgenommen. Eltern und Angehörige der US-Wehrpflichtigen waren von einem Krieg betroffen, der sie sonst nicht berührt hätte. In der Folge wurde die Allgemeine Wehrpflicht abgeschafft. Die eigene Haut zu Markte zu tragen, blieb seitdem der sozialen Unterschicht überlassen, die keine andere Lebensperspektive hat und der ggf. die Öffentlichkeit keine Tränen nachweint. Durch das gefahrlose Töten per Mausklick ist es nun noch leichter, Kriege zu führen, ohne dass eine "demokratische" Öffentlichkeit aufwacht.

Mit der Forderung nach einer schnellen Anschaffung von Kampfdrohnen sollen nun auch in Deutschland Fakten geschaffen werden, bevor diskutiert wird, ob das die Art Krieg ist, die Deutschland zu führen bereit ist. Rechtliche, politische und ethische Fragen sollen nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden bzw. auf den Aspekt reduziert werden, dass "unsere Jungs" nicht gefährdet werden. Deutschland begibt sich damit in den moralischen Sumpf, in dem sich der Friedensnobelpreisträger Obama schon lange befindet.

Dieter Popp und Wolfgang Bergmann
22.10.2012


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