Gewaltpropaganda in unseren - ach so freien! - Medien

"Die Wahrheit stirbt im Krieg zuerst" sagt ein bekanntes Zitat. Aber man muss noch weitergehender formulieren: Zur Vorbereitung auf kriegerische Gewaltanwendung wird eine Empörung der Öffentlichkeit herbei manipuliert, die nach "entschlossenem Eingreifen" schreit. Über "Massaker" und "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" wird ausführlich - aber einseitig und verzerrend - berichtet. Der Öffentlichkeit wird suggeriert, dass der jeweils aktuell hochgespielte Konflikt durch militärische Aktionen "des Westens" gelöst werden könne.

Ferner werden prophylaktische Feindbilder in der veröffentlichten Meinung gepflegt, um diese erforderlichenfalls schnell abrufen zu können. Beispiele für medial erzeugte latente Feindbilder sind China (der "friedfertige" Dalai Lama lässt grüßen), Russland unter Putin ("ehemaliger Tschekist") oder Alexander Lukaschenko in Belorussland (den unsere Medien seit Jahren als den "letzten Diktator Europas" titulieren). Falls eine propagandistische Eskalation angesagt ist, können die Medien jederzeit an die vorbereitenden Kampagnen anknüpfen.

Aktuelles Beispiel für direkte Gewaltpropaganda in unseren Medien ist die Berichterstattung über den Bürgerkrieg in Syrien. Die als "Massaker von Hula" bezeichneten Gewalttaten wurden zunächst auf willkürlichen Artilleriebeschuss der "eigenen Bevölkerung" durch syrische Regierungstruppen zurückgeführt. Als später die UN-Beobachter berichteten, bei rund 90 der insgesamt 108 Toten handele es sich um Opfer von zwei Hinrichtungsaktionen, wurden "regierungstreue Schabiha-Milizen" für das Blutbad verantwortlich gemacht - also die Verantwortung wiederum der syrischen Regierung zugeschoben, obwohl Indizien eher auf regierungsfeindliche Gruppen hindeuteten.

Bei dem jüngsten "Massaker von Trimseh" sollen auch wieder "unschuldige Zivilisten" Opfer eines willkürlichen Gewaltaktes geworden sein. "Der Angriff galt Gegnern des Assad-Regimes", berichtet zumindest die Neue Zürcher Zeitung. Es handelte sich demnach um eine militärische Auseinandersetzung mit bewaffneten Gruppen der sogenannten "Freien syrischen Armee". Die Analogie zum sogenannten "Massaker von Racak" vom 15. Januar 1999 in Jugoslawien ist unverkennbar: Die 45 Toten waren Angehörige der albanischen Untergrundarmee UCK, die in Kämpfen getötet wurden. Nach Darstellung der NATO waren sie jedoch Opfer einer "ethnischen Säuberung" und waren offizieller Anlass für die Ende März 1999 begonnenen NATO-Luftangriffe auf Jugoslawien.

Soll nun wieder ein Eingreifen mit NATO-Bombenflugzeugen herbei geschrieben werden? Die gewalttätigen Assad-Gegner arbeiten seit langem offenkundig darauf hin, während die innersyrische Opposition, sofern sie eine friedliche Lösung wünscht, in unseren Medien kaum noch vorkommt. Unser Außenminister Westerwelle, der beim Libyen-Abenteuer - in Übereinstimmung mit der Mehrheit der Deutschen - noch eine friedenserhaltende Position einnahm, hat offenbar begriffen, dass er sich ein abermaliges Ausscheren nicht leisten kann. Brav macht er sich zum Sprecher einer Propaganda, die vorschnell und einseitig die Schuld der syrischen Regierung zuweist.

Die Berichterstattung der Main-Stream-Medien ist mehr als nur ein Trauerspiel. Immerhin zeigen zahlreiche Leserkommentare in "Focus", "Spiegel-Online" oder "Zeit", dass genügend Deutsche sich nicht so leicht für dumm verkaufen lassen und die Propaganda durchschauen. Wo aber bleiben die ehemaligen DDR-Bürgerrechtler, die damals erfolgreich "keine Gewalt" riefen und "Schwerter zu Pflugscharen" forderten? Ein übles Bild gibt auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon ab: Die Zurückhaltung der UNO sei eine "Lizenz für weitere Massaker". Wie versteht er sein Amt? Will er Konflikte friedlich lösen, oder versteht er sich als Herold eines neuen Feldzuges?

Die Welt ist nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes nicht friedlicher geworden - eher im Gegenteil. Die USA und ihre willfährigen Marionetten in der NATO setzen wieder mehr auf militärische Durchsetzung ihrer egoistischen Interessen. Die Gewaltpropaganda in unserer Medien leistet ihren Beitrag dazu. Versuchen wir, der Vernunft eine Stimme zu geben!

Klaus-Dieter Wolff
15.07.2012


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