Pastor-Präsident Gauck als neuer Militärbischof

Als Begründer und "Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen" hat Joachim Gauck von 1990 bis 2000 seinem Namen als "Großinquisitor" alle Ehre gemacht.: Viele Mitbürger, denen keine strafbare Handlung anzulasten war, wurden öffentlich an den Pranger gestellt, Biografien wurden zerstört und auch einige Menschen in den Freitod getrieben. Inzwischen ist der gut besoldete Herr Pastor zu unserem Bundespräsidenten aufgestiegen - den Kampagnen unserer Main-Stream-Medien sei Dank.

Wie zu erwarten, erweist er sich auch in diesem neuen Amte als reaktionärer Politiker. Die eindeutige Mehrheit der Deutschen lehnt Militäreinsätze und insbesondere den in Afghanistan ab - da gilt es, mächtig dagegen an zu predigen. Gauck hat sich die Führungsakademie der Bundeswehr als Ort ausgesucht, um die Deutschen zu "größerer Offenheit für die Streitkräfte" aufzufordern. Auf dem Balkan, in Afghanistan und vor Somalia sei die Bundeswehr heute im Einsatz gegen Terror und Piraterie und trage zur Lösung von Konflikten bei. "Lösung von Konflikten"? Gauck muss sich fragen lassen: Was hat denn der Afghanistan-Einsatz gebracht?

Soldaten zeigten die Bereitschaft, persönlich Verantwortung zu übernehmen, um die Freiheit zu verteidigen. Gauck begründete die Notwendigkeit von Militäreinsätzen mit dem wiederkehrenden Satz: "Freiheit ist ohne Verantwortung nicht zu haben." Gerade die Deutschen wüssten, dass Frieden, Freiheit und Achtung der Menschenrechte nicht von allein entstünden, seien es doch ausländische Soldaten gewesen, die einst "unserem Land die Voraussetzungen dafür schenkten". Also - das soll den Bürgern eingeredet werden - müssen auch dem Rest der Welt Frieden, Freiheit und Menschenrechte mit militärischen Mitteln gebracht werden.

Wer die Alt-Bundesrepublik der 1950er und 1960er Jahre kennt, kennt auch die verlogenen Phrasen von der "wehrhaften Demokratie" und der militärisch zu schützenden "Freiheit", womit Remilitarisierung und Restauration begründet wurden. Alte Nazis und Kriegsverbrecher entdeckten wieder ihr "Christentum", hinter dem sie sich nach 1945 verstecken konnten. Wer von den West-Alliierten nicht wegen Kriegsverbrechen verurteilt worden war, befand sich schon bald wieder in verantwortlichen Positionen in Regierung, Verwaltung, Justiz oder Militär. Und wem bis dahin keine Verantwortung für schwere Kriegsverbrechen nachgewiesen werden konnte, durfte sich zumindest der Freiheit erfreuen. (Die lange Namensliste kann man seit etwa 50 Jahren im von der DDR herausgegebenen "Braunbuch" nachlesen.)

In diesen Zusammenhang lässt sich auch die Geschichte der Familie Gauck einordnen: Joachim Gauck behauptet, sein Vater sei "Kapitän" gewesen und aus "politischen Gründen" 1951 verhaftet worden. Tatsächlich waren Gaucks Eltern beide überzeugte Nazis gewesen, und Vater Gauck war Offizier in Hitlers Kriegsmarine. Seine Verhaftung und Verurteilung in der Sowjetunion erfolgte wegen schwerer Kriegsverbrechen (Erschießung von Gefangenen). Die Freilassung 1955 erfolgte im Rahmen der mit Konrad Adenauer ausgehandelten Amnestie für alle deutschen Kriegsverbrecher.

Kein Sohn ist für die Kriegsverbrechen seines Vaters verantwortlich. Aber dass Joachim Gauck die Geschichte seiner Eltern derart schönzureden versucht, ist eine Geschichtsfälschung an der Grenze zur Lüge. Das muss uns nicht verwundern. Es erklärt aber seine Sicht auf die heutige Bundeswehr und ihre Auslandseinsätze.

"Frieden schaffen ohne Waffen" - das war einmal. Die Bundeswehr auf dem Balkan, am Hindukusch oder am Horn vom Afrika: Überall ist sie im Auftrag von "Demokratie und Menschenrechen" unterwegs und hat den Segen unseres allerchristlichsten Bundespräsidenten. Statt für die Akzeptanz von Auslandseinsätzen zu werben, sollte Gauck die Verantwortungslosigkeit hinterfragen, Soldaten in militärische Abenteuer von zweifelhaftem Sinn zu schicken.

Der linke Sozialdemokrat Albrecht Müller wertet die Äußerungen Joachim Gaucks als "Ekelhaft und geschichtsvergessen". Eine Wertung, der wir uns nur anschließen können.

Dieter Popp und Klaus-Dieter Wolff
13.06.2012


zurück