Der Witz des Tages: Gauck als Präsidentschaftskandidat der SPD

Die bürgerlichen Medien lobhudeln: "Der ehemalige Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde wird parteiübergreifend geschätzt", behauptet Spiegel-Online. "Er gehört zu den Menschen, die ohne Zweifel das Zeug zum Bundespräsidenten hätten - mindestens, was das Charisma betrifft", meint die Süddeutsche Zeitung und nennt ihn "Versöhner der Nation". - Ausgerechnet Joachim Gauck soll der Versöhner sein?

1990 wurde der "Überzeugungstäter ohne Parteibuch" (SZ) vom Parlament zum Stasi-Beauftragten gewählt. Laut Frankfurter Rundschau bezeichnet er sich als "linker konservativer Liberaler". Darf es noch ein bisschen bunter sein?

Gregor Gysi und Manfred Stolpe, das sind nur zwei von den vielen, denen seine Behörde nachweisen wollte, dass sie als IM für die Stasi gearbeitet hätten. Es ließ sich nicht belegen. Es war in dieser Zeit, als Rainer Barzel ihn als den "Großinquisitor" bezeichnete. Helmut Kohl erwirkte ein Urteil gegen den Zugang zu seinen Stasi-Akten. Die SPD musste sich rückwirkend "Blauäugigkeit bei ihrer Ostpolitik" vorwerfen lassen. "Erst kürzlich hat er dem brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) einen zu laxen Umgang mit der Linken in Fragen der Vergangenheitsbewältigung vorgeworfen" (Tagesspiegel).

"Umso bemerkenswerter ist, dass SPD und Grüne Gauck als Präsidenten-Kandidaten aufstellen" wundert sich die Frankfurter Rundschau. "Meist war es die CDU, die sich ihm im antikommunistischen Konsens verbunden fühlte." "Im Jahre 1995 war Gauck zu Gast bei der CSU-Klausur in Wildbad Kreuth. Auch hier stieß der einstige Rostocker Pfarrer auf Sympathien", erinnert die WELT.

Gauck habe mal von sich gesagt, "er habe schon früh gewusst, dass der Sozialismus ein Unrechtssystem war." Damit qualifiziert man sich als Kandidat der Sozialdemokraten? Offenkundig haben sich wieder einmal jene rechten Kräfte in der SPD durchgesetzt, die mit dem Kapitalismus schon lange ihren Frieden geschlossen haben. Die Vokabel "Sozialismus" diente ihnen nur zur Täuschung der eigenen Anhängerschaft. Der Verrat am Sozialismus gipfelte unter Schröder, Müntefering und Steinmeier mit Hartz IV, Steuersenkung für Reiche und der Entfesselung des Finanzkapitalismus. Mit Joachim Gauck als Präsidentschaftskandidat soll nun den letzten Linken in der SPD endgültig signalisiert werden, dass jeder ernstgemeinte Schritt in Richtung Sozialismus des Teufels sei - wovor uns Pfarrer Gauck schütze.

Wolfgang Bergmann
04.06.2010


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