55 Jahre Bundeswehr
Wiederbewaffnung gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung

Nach der totalen Niederlage am 8. Mai 1945 schwor die Mehrzahl der Deutschen, niemals mehr eine Waffe anzurühren. Konrad Adenauer sagte nach Kriegsende: "Ich bin stolz darauf, nie Soldat gewesen zu sein." Auch dem Oberleutnant der Wehrmacht Franz Josef Strauß wird Ende der 1940er Jahre die Äußerung nachgesagt: "Die Hand soll verdorren, die jemals wieder ein Gewehr anfasst." - Man redete dem Volk nach dem Mund, um insgeheim anderes zu planen.

Der 5. Mai 1955 ist der offizielle Tag der Gründung der Bundeswehr. Aber schon am 24. Mai 1950 hatte Bundeskanzler Adenauer den Hitlergeneral a.D. Gerhard Graf von Schwerin zu seinem "Ständigen Berater in militärischen und Sicherheitsfragen" ernannt. Bereits am 16. März 1951 wurde der paramilitärische "Bundesgrenzschutz" gegründet; die Mehrzahl seiner Angehörigen wurde 1956 in die Bundeswehr übernommen. Die wirkliche Wiederbewaffnung hatte de facto also bereits 1951 begonnen.

Dem vorausgegangen war das Ende des unnatürlichen Bündnisses der Anti-Hitler-Koalition zwischen der Sowjetunion und den Westalliierten. Bereits 1945 hatten die USA mit der militärisch unsinnigen Bombardierung Dresdens und den Abwürfen von zwei Atombomben auf Japan gegenüber Stalin ihre militärischen Fähigkeiten demonstriert. Ende 1946/Anfang 1947 steuerte dann die USA offen auf Konfrontation um: Die Sowjetunion, noch unter den Verwüstungen des Krieges leidend, ohne eigene Atomwaffen und eine starke Luftwaffe, plane die Eroberung Westeuropas, so damals die tollkühne Behauptung, die noch heute - wider jegliche militärische Logik - von den Geschichtsfälschern als Tatsache dargestellt wird.

Am 26. Oktober 1950 wurde Theodor Blank (CDU) zum "Beauftragten des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen" ernannt. Das "Amt Blank" wurde zur Keimzelle des späteren Verteidigungsministeriums. Blank berief die ehemaligen Generale Adolf Heusinger und Dr. Hans Speidel als militärische Berater. Im Kloster Himmerod in der Eifel wurde eine Expertengruppe ehemaliger Hitler-Generäle und -Admiräle zusammengerufen, die ein Konzept für die deutschen Wiederbewaffnung erstellen sollte. Ihre wichtigste Forderung als Gegenleistung für die Zurverfügungstellung ihres Fachwissens: "Die Westmächte und die Regierung Adenauer sollten die Diffamierung der Wehrmacht und Waffen-SS einstellen, die als Kriegsverbrecher verurteilten Soldaten freilassen, schwebende Verfahren einstellen und eine Ehrenerklärung für den deutschen Soldaten abgeben." Wunschgemäß gab Konrad Adenauer am 5. April 1951 die geforderte Ehrenerklärung vor dem Deutschen Bundestag ab. Erst mit der Ausstellung "Vernichtungskrieg - Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944" wurde ab 1995 die geschichtsfälschende Weißwaschung der Wehrmacht - gegen erbitterten Widerstand und 50 Jahre nach Kriegsende - zu korrigieren versucht.

Die "Gründungsväter" der Bundeswehr: Hitlers Generäle

Noch heute lohnt es, sich einige der Namen der "Gründerväter" ins Gedächtnis zu rufen:

Der Panzergeneral Gerhard Graf von Schwerin hatte bis zum 25. April 1945 seinem "Führer" treu gedient und bis zuletzt junge deutsche Soldaten für einen schon längst verlorenen Krieg verheizt.

Adolf Heusinger, als Chef der Operationsabteilung des Generalstabes maßgeblich an der Planung und Vorbereitung der Stalingrad-Operation beteiligt, war gemäß offizieller Geschichtsschreibung "1944 der Meinung, trotz der Einsicht, dass der Krieg verloren sei, seine Soldatenpflicht erfüllen zu müssen." Nach dem Kriegsende kam er in amerikanische Kriegsgefangenschaft. 1957 bis 1961 war er der erste Generalinspekteur der Bundeswehr.

Hans Speidel nahm 1940 am Frankreichfeldzug teil. Im März 1942 wurde er zum Chef des Generalstabes des V. Armeekorps an der Ostfront ernannt. Zuletzt organisierte er unter Erwin Rommel die Verteidigung am Atlantikwall. Nach der erfolgreichen Landung der Westalliierten in der Normandie dachte wohl auch Speidel darüber nach, sich des glücklosen "Führers" zu entledigen. Er geriet unter Verdacht, vom Anschlag gegen Hitler gewusst zu haben, wurde aber nicht belangt. In seiner Biografie stellte er sich als Hitler-Gegner dar. Von April 1957 bis September 1963 war Speidel als General der Bundeswehr Oberbefehlshaber der alliierten Landstreitkräfte in Mitteleuropa. Er fand in General Charles de Gaulle einen unversöhnlichen politischen Gegner, der Speidels Wirken in Frankreich nicht so positiv in Erinnerung hatte. 1963 wurde er auf Druck de Gaulles bei der NATO abgelöst.

Heinz Trettner war Staffelkapitän der Legion Condor während des spanischen Bürgerkriegs, dort hervorgetan als der "Mörder von Guernica". Im Mai 1940 war er einer der Verantwortlichen der Bombardierung Rotterdams, womit der Luftkriegsterror des zweiten Weltkrieges eingeleitet wurde. Seit Mitte 1944 bis Kriegsende befehligte er Fallschirmjäger in Italien, die sich durch viele Massaker an italienischer Zivilbevölkerung hervortaten. Noch in den ersten Mai-Tagen 1945 verheizte er viele deutsche Soldaten, bevor er in amerikanische Gefangenschaft ging. 1956 trat er als Generalmajor wieder in die Bundeswehr ein. Im Januar 1964 wurde seine Nachkriegskarriere gekrönt, indem er zum Generalinspekteur der Bundeswehr ernannt wurde.

Die Namensliste könnte beliebig fortgesetzt werden. Das 1965 in der DDR erschienene "Braunbuch" stellt noch heute eine wichtige Fundstelle dar. Summarisch lässt sich sagen: Die Bundeswehr wurde von Hitler-Offizieren aufgebaut, die bis zum Mai 1945 treu ihrem "Führer" gedient, junge deutsche Soldaten bis zuletzt in einen sinnlosen Tod getrieben und auch nach 1945 nicht umgedacht hatten. Viele davon trugen schwere Schuld an Kriegsverbrechen und hätten sich vor einem Gericht verantworten müssen. Ihr Motiv war "Revanche für Stalingrad", die Soldaten der Roten Armee waren für sie immer noch "der Iwan". Erst nachdem diese Generation - hoch dekoriert und gut besoldet - in den Ruhestand getreten war, begann eine zaghafte Umsteuerung der "Traditionspflege" der Bundeswehr.

Der wahre Zweck der Wiederbewaffnung

Natürlich existierte nach 1945 in Westeuropa keine wirkliche militärische Bedrohung durch die Sowjetunion. Diese lag nach dem verlustreichen Krieg gegen Hitler-Deutschland wirtschaftlich noch völlig am Boden und konnte nichts Schlimmeres als eine neue militärische Auseinandersetzung gebrauchen. Eine militärische Konfrontation mit der neuen Atommacht USA wäre absolut aussichtslos gewesen - falls Stalin die ihm unterstellten Weltherrschaftspläne gehabt hätte.

Diskreditiert und erledigt schien nach 1945 allerdings in ganz Europa (und auch in den USA) der Kapitalismus. In ihrem Ahlener Programm hatte 1947 die CDU geschrieben: "Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Inhalt und Ziel einer sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein." So formulierten 1947 der rheinische Bankier Robert Pferdmenges und Konrad Adenauer. Ehrlich gemeint war das selbstverständlich nicht, sondern verkündet nach der Devise: "Man muss sich an die Spitze der Bewegung stellen, um ihre Richtung beeinflussen zu können."

Auch in den USA hatte es nach der Weltwirtschaftskrise 1929 unter Präsident Franklin D. Roosevelt mit dem "New Deal" gewisse regulierende Eingriffe in die heilige Marktwirtschaft gegeben, die von den Jüngern des Wirtschaftsliberalismus als Entwicklung hin zum Kommunismus gesehen wurde. Unter Roosevelts Nachfolger Harry S. Truman wurde wieder auf Gegenkurs umgesteuert. Innenpolitisch wurde mit Joseph McCarthy die Jagd auf tatsächliche und vermeintliche Kommunisten eröffnet. Außenpolitisch wurde auf Konfrontation gegen die Sowjetunion gesetzt und das "roll back" in Europa angestrebt. Die amerikanische und westeuropäische Öffentlichkeit wurde mit der Propagandabehauptung einer militärischen Bedrohungen durch die Sowjetunion regelrecht hysterisiert.

Die McCarthy-Ära in den USA fand ihr Gegenstück im Antikommunismus des Adenauer-Staates. Kommunisten und linken Sozialdemokraten wurden als "fünfte Kolonne" der Sowjetunion diffamiert. So konnte der innenpolitische Gegner als außenpolitischer Feind dargestellt und bekämpft werden. Die Bundeswehr sollte gleichzeitig als Instrument für das angestrebte Rollback in Europa und als erneute "Schule der Nation" zur antikommunistischen Indoktrination der Jugend dienen. Das erzwungene Wettrüsten schwächte den wirtschaftlichen Aufbau des Sozialismus in Osteuropa und führte letztlich - wenn auch erst Jahrzehnte später - zu dessen Ende.

Dieter Popp
03.05.10
Erschien in Mitteilungen der Kommunistischen Plattform - Ausgabe Mai 2010


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