Die Tibet-Kampagne
zweiter Teil

Im Jahre 1965 erschien in der Bundesrepublik ein aufsehenerregendes Buch des zuvor kaum bekannten Aachener Physik-Professors Wilhelm Fucks "Formeln zur Macht": Ein Außenseiter der Politik sagte mit dem nüchternen Blick des Naturwissenschaftlers den Aufstieg Chinas zur Weltmacht voraus.

In den Folgejahren änderte sich der Blick des Westens auf "Rotchina" und gipfelte in dem spektakulären Besuch Richard Nixons in China im Februar 1972. Damals war die Sowjetunion der Hauptgegner der USA. China und die Sowjetunion standen sich feindseelig gegenüber. Da erschien es als ein genialer Schachzug Nixons, mit dem greisen Mao Zedong nach der Devise "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" eine taktische Zusammenarbeit zu vereinbaren.

Nach der Selbstzerstörung der Sowjetunion schien für die USA der Weg frei zur "einzigen Weltmacht". Doch diese größenwahnsinnige Politik steht heute vor ihrem Scheitern: Die Welt lässt sich nicht allein mit überlegenen Waffen beherrschen. Gleichzeitig wird offenbar, dass die militärische Supermacht wirtschaftlich auf tönernen Füßen steht. Eine "multipolare Welt", die nicht nach der Pfeife einer Supermacht tanzt, zeichnet sich ab.

Noch aber haben die amerikanischen "Sicherheitsberater" ihre Träume nicht aufgegeben. Als wichtigster Konkurrent bei der Beherrschung der Welt wird China angesehen. Daher gilt es, China nach den bekannten Mustern zu schwächen: Ethnische Minderheiten werden zur Sezession ermuntert und propagandistisch, finanziell und ggf. auch mit geheimen Waffenlieferungen unterstützt. Alles natürlich unter den bekannten Slogans von "Freiheit, Demokratie und Menschenrechten".

Die wichtigste Gruppe, die man bereits in den 1950er Jahren hierfür instrumentalisierte, sind die Tibeter. Aber auch die Uiguren in Westchina stehen als Kandidaten bereit.

Als im März 2008 eine perfekt koordinierte, gut finanzierte Tibet-Kampagne anlief, war die Weltöffentlichkeit zunächst überrascht. Aber für Fachleute war klar, dass die USA und ihre Helfershelfer (in Deutschland u.a. die Friedrich-Naumann-Stiftung) mit Rat und Tat dahinter standen. Die Main-Stream-Medien empörten sich nicht etwa über Gewalttaten und Brandstiftung des tibetischen Mobs gegen die chinesische Minderheit in Lhasa. Stattdessen wurde von "Unterdrückung der Tibeter" und "Menschenrechtsverletzungen" durch die Chinesen berichtet, ohne konkret zu benennen, welches Menschenrecht der Tibeter durch welche chinesische Maßnahme verletzt worden sein sollte.

Mit der Fußball-Europameisterschaft ist das Tibet-Thema vorübergehend aus den Schlagzeilen verschwunden. Nun, da die Olympischen Spiele wieder ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit kommen, dürfen wir uns für den zweiten Teil der Kampagne einstellen. Voraussichtlich wird wieder vom "kulturellen Völkermord" fabuliert werden. Dass z.B. die Tibeter (wie alle anderen ethnischen Minderheiten) von der chinesischen 1-Kind-Politik befreit - also in diesem Punkt privilegiert - sind, wird vermutlich nicht berichtet werden.

Lassen wir uns nicht manipulieren und sehen wir die kommende Kampagne mit klarem Blick!

Wolfgang Bergmann
03.07.08


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