ZNBw: NATO-Oliver Einsatz der Bundeswehr gegen den Computer
Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr: Panne oder cleverer Schachzug?

Datenpanne: Geheimberichte über Auslandseinsätze der Bundeswehr vernichtet

Das Bundesverteidigungsministerium hat gegenüber dem Verteidigungsausschuss eine schwere Panne eingestanden. Demzufolge ist der gesamte Bestand an Geheimdienstinformationen aus den Jahren 1999 bis 2003 im "Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr" vernichtet worden. Begründung: ein "technischer Defekt". Berichte des Bundesnachrichtendienstes, der Militärattachés in ausländischen Botschaften und Nachrichten befreundeter Nachrichtendienste. Auch für die Einschätzung der heutigen Lage gingen angeblich wichtige Erkenntnisse insbesondere vom Kosovo und Afghanistan verloren.

Brisant ist, daß das zugegebene Datenfiasko erst nach der Anfrage des Verteidigungsausschusses, der sich zum Untersuchungsausschuß im Fall des ehemaligen Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz umwandelte, vom Verteidigungsstaatssekretärs Peter Wichert am 12. Juni 2007 mitgeteilt wurde.

Wichert schrieb an den Verteidigungsausschuss: "Der Datensicherungsroboter erlitt nach der Archivierung der Daten einen technischen Defekt und mußte im Dezember 2004 durch ein Austauschgerät ersetzt werden. Bei dem Versuch, die gespeicherten Daten auf das Ersatzgerät zu übertragen, stellte das Fachpersonal fest, daß ein Teil der Bandkassetten im Datensicherungsroboter nicht mehr lesbar waren." Der Versuch, die Daten wieder zugänglich zu machen, sei gescheitert. "Von den geheimen Unterlagen sei auf Grund der Speicherkapazität des Datensicherungsroboters jedoch nur einmal eine Sicherungskopie angelegt worden. Weitere Sicherungskopien waren nicht realisierbar", erklärt Wichert weiter. "Der Datensicherungsroboter erlitt nach der Archivierung der Daten einen technischen Defekt". Und führte weiter aus: "Der Versuch, diese Kassetten in einem Ersatzgerät auszulesen und somit die Daten wieder zugänglich zu machen, scheiterte. Entsprechend der gültigen Vorschriften zum Umgang mit Verschlußsachen wurden die nicht mehr lesbaren Kassetten am 04. Juli 2005 vernichtet."

Soweit die offizielle Version.

Deppen oder Bauernschläue?

Das Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr (ANBw) ist ein bei der NATO und befreundeten Diensten angesehener Dienst, der sich ein kleines Langley in der beschaulichen Grafschaft Gelsdorf in Rheinland-Pfalz bei Bonn in einem riesigen Kreuzbau häuslich eingerichtet hat. Es ist für einen Laien unerklärbar und für einen Insider unbegreiflich, daß tatsächlich so eine Datenpanne dort möglich ist. Außerdem sind die meisten Daten bei den Militärattachés in ausländischen Botschaften und bei befreundeter Nachrichtendienste noch in den Tresoren oder Datenbanken zugänglich. Nur ein kleiner Teil wäre nicht mehr zu rekonstruieren. Ein Schelm, der böses dabei denkt: Können die gealterten Beamten des Amtes für Nachrichtenwesen nicht mit Computern umgehen? Da hilft nur üben, üben, üben...

Wahrscheinlicher ist, daß das Amt die Akten nicht herausgeben wollte; denn wenn einige Jahre verloren gegangen sind, ist das plausibler, als nur die Akte von Murat Kurnaz.

Dieter Popp
26.06.07


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