Leserbrief

Zur Hinrichtung Saddam Husseins

Nicht der Irak hat die USA, sondern die USA haben mit ihren Willigen den fernen Irak überfallen, die führende Baath-Partei verboten und ihre Mitglieder zur Aburteilung gefangen genommen.

Der ehemalige Präsident des Irak, Saddam Hussein, wurde in Bagdad von einem im Auftrag der USA eingesetzten Sondergericht zum Tode verurteilt und durch den Strang hingerichtet. Grundsätzlich wurde er von der Weltpresse als grausamer Ex-Diktator bezeichnet. Sein Gegner Bush trotz Überfälle auf Jugoslawien, Afghanistan und angedrohter weiterer immer als Präsident der USA geachtet. So gehört sich´s auch gutbürgerlich.

Saddam bezeichnete sich in allen Anklagepunkten für nicht schuldig und bestritt die Legitimität des Sondergerichts. Die BRD-Regierung beeilte sich, das Urteil als rechtmäßig zu bezeichnen. In diesem Sinne ist die Verfolgung wegen DDR-Staatsnähe auch rechtmäßig. Rechtmäßig ist ohnehin nur eine Formsache und nicht inhaltsmäßig. Solange nicht die Eroberer ebenfalls vor Gericht stehen ist das Siegerjustiz.

Gegen das Urteil gab es weltweit Proteste.

Letztlich ist es ähnlich wie beim ehemaligen Präsidenten von Restjugoslawien Slobodan Milosevic, der verfolgt wurde, weil er sich den USA-Kapitalismusinteressen widersetzte.

Vergleichsweise kommen im Irak durch den Bürgerkrieg wöchentlich mehr Menschen um, als Saddam vom Gericht angelastet wurden. Ebenso bei US- oder Israels Vergeltungsschlägen. Der verabschiedete UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte, daß es den Menschen unter Saddam im Irak besser ging. Außerdem sprach auch er sich gegen die Todesstrafe aus.

Peter Scholl-Latour sagte zur Hinrichtung: "Es war ein Frevel, Saddam Hussein ausgerechnet am höchsten Fest des Islam zu hängen." Bush bezeichnete die Hinrichtung als wichtigen Schritt zur Demokratie im Irak.

Optisch sah es so aus: Der Irak wurde mit 150.000 Soldaten erobert, um Saddam Hussein durch ein von der Besatzung bestelltes Sondergericht hinzurichten.

Horst Tischler
München, 18.01.07

Tel. 089-88 88 578 (auf Wunsch des Autors)


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