Arno-Breker-Ausstellung:

Wird braune Kultur wieder hoffähig?

Irritiert mußte ich zur Kenntnis nehmen, daß Werke von Hitlerfreund und -günstling Arno Breker im Schleswig-Holstein-Haus in Schwerin ausgestellt werden. Peinlich offiziell als "Kultursommerevent" angepriesen. Späte Geburt und Pisa bei den kulturverantwortlichen in Meck-Pom vereint?

Blicken wir zurück. Die 12 Jahre Hitlerfaschismus und der furchtbare Krieg lassen sich nicht weg diskutieren. Sie sind Historie. In den vergangenen Monaten wurden wir mit mehr oder weniger kritischen Dokumentarfilmen über die großdeutsche Wehrmacht, Hitler und seine Frauen usw. genervt. Niemand regte sich über das kiloschwere Buch von Joachim Fest über Hitler auf. Aber Arno Breker ausstellen? Haben wir uns seine spätklassizistischen Monumente, deren Anblick täglich gegenwärtig ist, nicht über gesehen? Da hilft auch nicht, daß seine Biographie ein gewisses Spektrum aufweist. Hinzuzufügen wäre noch, daß Konrad Adenauer und Ludwig Erhard per Büste Brekers Künste nach 1945 in Anspruch nahmen und zu besichtigen sind. Das ist Historie der Adenauerrzeit...

Außerdem sehe ich die Gefahr, daß die deutschen Nazis jubeln; ist doch einer der Ihren wieder hoffähig. Im Tennis wäre das "ein Fehler ohne Not". Da hilft auch, wie ich meine, eine hilflose kritische Einführung in die Ausstellung nicht.

Kurz: Diese Ausstellung ist so überflüssig wie ein Kropf. Sie schmerzt durch Rückblicke in eine furchtbare Zeit, bildet nicht weiter und taugt nicht zur Vergangenheitsbewältigung.

Dieter Popp
Als Leserbrief veröffentlicht in Neues Deutschland vom 25.07.06


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