Die Fahne auf dem Sarg

Tod am Hindukusch

Die Autobombe eines Selbstmordattentäters, vermutlich der Taliban, beendete jäh das Leben eines 44-jährigen Oberstleutnants der Bundeswehr. Da stellt sich zunächst die Frage, was die einst als Verteidigungsarmee gegründete Bundeswehr in Afghanistan sucht. Der Sarg mit dem getöteten Soldaten landete auf dem Flugplatz Köln/Wahn mit einer Maschine der Bundeswehr in der Heimat. Bedeckt mit der deutschen Landesfahne.

Das ist gelebte "out of area" oder wir sind wieder eine "Weltmacht" an der Seite des "Großen Bruders" USA. Der Bundestag hat erst kürzlich das Afghanistan-Mandat mit den Stimmen der Bundestagsabgeordneten der CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen er-neuert. Nur die Linke stimmte dagegen.

Die Ablehnungen der Auslandseinsätze durch die Linke werden nicht gehört. Das dürfte sich mit den nächsten Toten ändern.

Während meiner Haft in der JVA Köln habe ich im Dezember 1992 folgende Zeilen zu Papier gebracht, die eine unerwartete Aktualität erfahren haben:

Die Fahne auf dem Sarg

Generale befehlen "Krieg!"
Und denken immer nur an Sieg.
Junge Soldaten aus ihrer Kaserne
sterben den Heldentod in der Ferne.
Auf dem Sarg die Fahne in Landessitte -
ein Kamerad starb aus ihrer Mitte.

Macht, Habgier oder der Haß auf Rassen,
sie können vom schmutzigen Krieg nicht lassen.
Tausende Tote wegen Rechthaberei oder Religion;
sie sagen kalt: "Was ist das schon?"
Sie können nicht ohne Kriege leben,
nur mit Vernunft kann es Frieden geben.

Keine Waffen in die Dritte Welt,
sondern Brot und Hilfe für das Geld.
Vernichtung der Waffen - erfüllte Träume;
Soldaten pflanzen statt Bajonette dann Bäume.
Wir müssen die Welt verändern -
macht endlich Frieden mit allen Ländern!

Dieter Popp
19.11.05


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