Al Qaida oder Eta - Aznars Spiel mit den 200 Toten ging nicht auf

Wahl verloren, selbst Schuld

Kaum explodierten die 10 Bomben in den Vorortzügen Madrids, gleich kam die Meldung des Ministerpräsidenten, Schuld sei die Eta. Das Ereignis so kurz vor der Wahl? Jeder Spanier zweifelte, daß die Eta durch den Terror die Wahlchancen Aznars verbessern würde. Der Spanische Innenminister trat vor die Presse und sagte mit ernster Miene, es gäbe Erkenntnisse, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf die Eta hinwiesen. Kurz darauf äußerte sich unser Innenminister Schily mit der gleichen Erkenntnis.

"Acht Jahre in drei Tagen verspielt" so die Presse

Die Niederlage der spanischen konservativen Volkspartei hat nach Meinung der Kommentatoren einen Grund: Die Wähler haben sie abgestraft für ihre Wahltaktik, allein die Eta zu beschuldigen. Die europäische Presse zieht kontrovers Bilanz.

"Pravo", Prag: "Immer mehr Indizien deuten darauf hin, dass nicht die Eta, sondern al-Qaida die blutige Tragödie in Madrid ausgelöst hat. Im Licht der Parlamentswahlen konnte man die sofortigen Beschuldigungen der spanischen Regierung gegenüber der Eta vielleicht verstehen: Im Kampf gegen die baskischen Separatisten unterstützt die Mehrheit der Wähler die Regierung. Beim Irak-Krieg ist das nicht so. Und so lässt sich das, was bei der spanischen Innenpolitik vielleicht noch nachvollziehbar ist, beim Weltsicherheitsrat nicht mehr verstehen. Nur wenige Stunden nach den Anschlägen setzte Spanien dort eine Verurteilung der Eta durch. Das Äußern von Mitgefühl ist die eine Sache, doch eine Beschuldigung ohne Beweise die andere. Ein Organ wie der Sicherheitsrat sollte auf Grund tiefer gehender Argumente entscheiden - nicht auf der Grundlage von Absprachen."

Dem ist nichts weiteres hinzuzufügen.

Dieter Popp
15.03.04


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Nur Lügen zur Wahl
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junge Welt, 15.03.2004
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